Uri-Geller-Show auf Pro7

Der Löffelverbieger Uri Geller wollte am Samstag, den 15.11.2008 per Radioteleskop Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen. Pro7 hat daraus eine dreistündige Show zur besten Sendezeit unter dem Titel „Ufos & Aliens – Das unglaubliche Live-Experiment“ gemacht. 

Geller hat seine Mitteilungen und auch die der Zuschauer per Radioteleskop zu einem entfernten Stern geschickt: „Wir öffnen unsere Herzen und unsere Gedanken für euch. Wir glauben fest daran, dass ihr irgendwo da draußen seid. Bitte zeigt euch in der Nacht vom 15. November. Die Menschen werden aus den Fenstern sehen und euer Signal erwarten.“

Die Hoffnung, Antwort von Aliens zu bekommen hat sich natürlich nicht erfüllt. Ankommen werden die Nachrichten dort sowieso erst in 30 Jahren. Immer diese blöde Lichtgeschwindigkeit. Doch auch auf dem Weg dahin war während der Sendezeit am Samstagabend – welch Überraschung – auch nichts von Aliens zu hören.

Die Sendung war ein neuer Meilenstein des Trash-TV. Mit von der Partie waren längst abgemeldete TV-Stars, die sich wie Uri Geller mühsam vor dem Untergang zu retten versuchen. Man hatte also das Vergnügen mit Erich von Däniken, Nina Hagen und der gecastete Geller-Nachwuchs Vincent Raven.

Um mit Vorsatz auch gleich weitere Marken des Programms zu schädigen, hat man "Galileo"-Moderator Daniel Aminati in diesem pseudo-wissenschaftlichen Umfeld seine Glaubwürdigkeit demontieren lassen. Aminati stand während der Sendung – so hieß es zumindest – in einem Kontrollraum des wiederum tatsächlich existierenden Radio-Teleskop nahe der Stadt Evpatoria in der Ukraine – und durfte immer wieder betonen wie spannend und unheimlich alles sei. Extra eingespielte Ton- und Bildprobleme legten allerdings den Verdacht nahe, dass sich Aminati mit ein paar schlechten Schauspielern, die Wissenschaftler darstellen sollten, im Nachbarstudio aufhielt.

Weil der Versand der Nachrichten, abgesehen von eingespielten Effekten, die eine passene Stimmung erzeugen sollten, völlig unspektakulär war und eben auch jegliche Antwort von Außerirdischen ausblieb, musste man die quälend lange Sendezeit zwischendurch mit anderweitigem Unsinn füllen. Es mussten also Kristallschädel und Entführungen durch Außerirdische herhalten.

Diese unterirdische Show war wirklich ein Tiefpunkt des deutschen Fernsehens. Eine unfassbare und unglaubliche Leistung in Sachen Total-Verdummung. Marcel Reich-Ranicki hätte geschäumt.

Die Macht der Vernunft hat gesiegt. Geller kam gerade mal auf einen Zuschaueranteil von 4,8 %. Wegen der desaströsen Einschaltquoten dürfte Pro7 dieses Experiment daher so schnell nicht mehr wiederholen.

Der Kolumnist Alexander Krei meint dazu:

Wie tief muss das deutsche Fernsehen gesunken sein, wenn Typen wie Uri Geller, Erich von Däniken und Nina Hagen am Samstagabend zur besten Sendezeit mit Aliens zu kommunizieren versuchen? Und vor allem: Was hat sich ProSieben dabei gedacht, so einen Schwachsinn wirklich auszustrahlen? Mit dem Denken wars bei ´Uri Geller live´ offensichtlich nicht wirklich weit her. Wenn man auch nur halbwegs an Qualitäts-Produkten interessiert ist, hätte irgendjemand von ProSieben diesem Trauerspiel den Stecker ziehen und stattdessen lieber einen guten Film einlegen sollen. Doch nichts von alledem: Satte drei Stunden wurde dieser Mist versendet – mit bierernster Miene garniert. So peinlich, dass sich wohl selbst die Aliens dafür geschämt hätten.

Immer wieder wurden Fragen der Zuschauer ins All geschickt – und als Beobachter wünschte man sich, dass doch bitte von oben Reich-Ranicks Stimme ertönen und ein lautes "gräääßßßßlich" von sich geben würde. Aber nicht mal das gab´s. Stattdessen wurde der Wahnsinn immer weiter auf die Spitze getrieben: Mit irgendwelchen belanglosen Schalten in einen ukrainischen Kontrollraum, in dessen Innerem Wissenschaftler saßen, die ihren Namen wahrlich nicht gerecht wurden. Zur Strafe für diesen unsäglichen Mist müsste die komplette Führungs-Mannschaft von ProSieben zum zehnmaligen Anschauen dieser Show gezwungen werden. Immerhin gab es am Samstag dann noch eine positive Erkenntnis: Das Publikum hat sich einen Dreck um diese erbärmliche Produktion geschert.

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