Umberto Eco – Der Friedhof in Prag

Der neueste Roman von Umberto Eco handelt von dem Italiener Simone Simonini. Dieser lebt 1897 in Paris und ist eine sehr unsympathische Figur. Er empfindet gegenüber allen Nationen und Religionen Vorurteile und Hass. Er mag keine Franzosen, Italiener, Deutsche, Engländer oder Russen. Keine Jesuiten, Juden und Freimaurer. Alle sind sie an irgendwelchen Komplotten und Verschwörungen beteiligt. Da ist es dann nur ein kurzer Weg zu den unsäglichen Protokollen der Weisen von Zion und der jüdischen Weltverschwörung, an die der Antisemit Simonini glaubt.

Das Erschreckende ist, dass die meisten erwähnten Personen tatsächlich gelebt haben und nicht erfunden sind. Lediglich die Hauptfigur des Romans, Simonini entstammt Ecos Phantasie. Die Geschichte wird immer wieder in Rückblicken erzählt. Beteiligt sind Geheimdienste, Militärs und Revolutionäre.

Ich habe etwas gebraucht, um in den Roman hineinzufinden. Hier handelt es sich um echte Literatur und nicht um das Buch eines flachen 08/15-Vielschreibers. Wenn man sich aber nicht abschrecken lässt, dann ist man innerhalb kürzester Zeit von der Handlung gefangen. Man darf nur nach den ersten Seiten nicht gleich aufgeben.

Das Buch vermischt wahre geschichtliche Ereignisse mit einer anspruchsvollen Handlung. Das Ergebnis ist ein unheimlich spannendes Buch, mit dem darüber hinaus auch noch echtes historisches Wissen vermittelt wird.

Umso schlimmer ist, dass die angesprochenen Vorurteile tatsächlich existierten und auch heute teilweise wieder zitiert werden. Die Protokolle der Weisen von Zion konnte man tatsächlich noch bis zum Jahr 2004 bei einer großen Supermartkette in den USA kaufen. Auch aktuell wird dieses üble Machwerk immer wieder erwähnt und dient auch in gewissen Esoterik-Kreisen immer wieder dazu, irgendwelche Verschwörungen zu belegen und spezielles Gedankengut zu rechtfertigen. Die Tatsache, dass schon längst bewiesen ist, dass es sich dabei um eine absolute Fälschung handelt, interessiert diese Leute nicht.

Es ist daher sehr wichtig, dass dieses Thema von Umberto Eco aufgegriffen und literarisch verarbeitet wurde.  Ein Buch, dass ich nur sehr empfehlen kann.

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