Dokumentationszentrum Nürnberg

Am Sonntag habe ich dem Dokumentationszentrum am Reichsparteitagsgelände in Nürnberg einen Besuch abgestattet. Das Doku-Zentrum befindet sich im Nordflügel der von den Nazis gebauten Kongresshalle. Ein Pfeil aus Glas und Stahl wurde mitten durch den monströsen aber unvollendet gebliebenen Bau getrieben und setzt damit bewusst einen Kontrapunkt zu der größenwahnsinnig anmutenden Architektur.

Im Doku-Zentrum wird auf 1300 m² die Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gezeigt. Der Eintritt kostet nur 5 €. Sehr schön ist, dass der Audioguide in diesem Preis bereits enthalten ist.

Die Ausstellung wird modern präsentiert. Spannend ist auch der Kontrast zu den rohen Ziegelmauern. Es wird mit Audio, Video und Licht gearbeitet. Ein bisschen schade ist, dass im Audioguide lediglich die Texte der einzelnen Tafeln wiederholt werden. Für fremdsprachige Besucher sicherlich sinnvoll, für deutschsprachige jedoch eher redundant. Die kleinen roten Zahlen für die Textwahl auf dem Guide, die auf den Texttafeln aufgebracht sind, sind aus einiger Entfernung nur schwer zu lesen. Sie sind zwar nochmals auf den Boden aufgemalt. Bei großem Besucherandrang, aber auch nur schwer zu sehen. Hier hätte ich mir mehr Hintergrundinfos oder Originaltöne gewünscht. Man sollte auf jeden Fall die an vielen Stellen ebenfalls zu findenden Texte von „Jugend hört“ aufrufen. Hier haben Schüler spezielle Texte für die Ausstellung erstellt und eingesprochen. Hier sind die von mir vermissten Zusatzinfos professionell gemacht, zu finden.

Die Ausstellung beginnt mit den Anfängen und dem Aufstieg der NSDAP. Mit der Gleichschaltung und Ausgrenzung von „Unerwünschten“. Die Reichsparteitage in Nürnberg finden natürlich besondere Beachtung. Besonders wird versucht die Begeisterung und Faszination der Massen zu erklären. Die Beeinflussung durch Inszenierungen wie die Reichsparteitage wird klar und mit Zeitzeugeninterviews herausgearbeitet. Es geht weiter mit Angriffskrieg, mit Konzentrationslagern, Vernichtungskrieg und Holocaust.

Ebenfalls wird der leider nur sehr geringe Deutsche Widerstand genannt. Am Schluss fragt man sich, wie eigentlich die Leute auf derartige jämmerliche Gestalten hereinfallen konnten. Ein schönes Bild, dass die Spießigkeit und Idiotie unfreiwillig herausstellt, zeigt zwei etwa zehnjährige Jungen die neben einem mit Girlanden geschmückten Bild von Hitler in Originalgröße „Ehrenwache“ stehen. Dabei fällt dem Betrachter auf, dass Hitler die beiden kleinen Kinder nur etwas überragt. Wenn man dann das geifernde Geschrei von Hitler, Streicher, Göbbels und Konsorten kaum noch aushalten kann, wird am Ende der Ausstellung ausführlich auf die Nürnberger Prozesse und die Entwicklung des Parteitagsgeländes in der Nachkriegszeit eingegangen.

Der Besuch im Dokumentationszentrum ist auf jeden Fall zu empfehlen. Derjenige, der sich mit dem Dritten Reich beschäftigt hat, wird nicht so viel Neues erfahren. Die Örtlichkeit hebt jedoch die in der Ausstellung vermittelten Fakten auf eine andere Ebene. Im Übrigen denke ich, dass vielen Leuten diese Fakten nicht einmal bekannt sind. Umso besser, wenn möglichst viele sich informieren.

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