Letzte Ölung Nigerdelta

Im Völkerkundemuseum in München finden derzeit zwei interessante Sonderausstellungen statt. „Des Kaisers geschenkte Kleider 25 Meisterwerke textiler Kunst aus Asien“ und „Letzte Ölung Nigerdelta. Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien„. Der Eintritt in die Sonderausstellungen kostet jeweils 6 EUR. Für 10 EUR kann man beide besuchen. Es gibt keinen Sonntagseintritt.

Die Ausstellungen sind noch bis 16.09.2012 (Nigerdelta) und 30.09.2012 (Kleider) zu sehen.

In der Ausstellung des Kaisers geschenkte Kleider werden Stücke aus der einzigartigen Sammlung asiatischer Textilien von Claus-Peter und Agnes Marx gezeigt.

Der chinesische Kaiser zeichnete hohe Würdenträger aus, indem er wertvollste Stoffe aus Samt, Seide und Goldbrokat überreichte. Unter diesen Würdenträgern waren auch mongolische und tibetische Fürsten und Mönche. Dort wurden die Stoffe und Kleider nach dem jeweiligen Geschmack umgeändert.

Die Sammlung zeigt außerdem osmanische Stoffe und Stickereien.

Die zweite Ausstellung ist einem sehr ernsten Thema gewidmet. Seit 1956 zerstört im westafrikanischen Nigeria die Erdölförderung durch Großkonzerne (vor allem Shell) die Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung. Flüsse und Boden sind vergiftete schwarze Mondlandschaften. Der Boden ist gesättigt mit Rohöl. In den Pfützen und auf den Flüssen schwimmt ein bunt schillernder Ölfilm. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 41 Jahre.

Die Feuer der abgefackelten Erdgasvorräte leuchten grell und sind auch vom Weltall aus auf Satellitenaufnahmen zu sehen. Die schwarzen Rauchwolken dieser Gasfackeln verdunkeln den Himmel. Immer wieder explodieren Pipelines und reißen hunderte von Bewohnern in den Tod. Der nigerianische Fotograf George Osodi ist einer der Künstler, deren Fotografien in der Ausstellung gezeigt werden.

Die Ölkonzerne beuten die Ölvorräte skrupellos aus. Die dort lebenden Menschen sind  diesen jedoch vollkommen egal. Es werden keinerlei befestigte Straßen gebaut. Pipelines durchschneiden Dörfer. Protestaktionen von Umweltaktivisten und Anwohnern werden brutal mit Waffengewalt unterdrückt.

Die Ausstellung hat mich sehr nachdenklich gemacht. Welches Leid und welche Umweltschäden von den Konzernen angerichtet werden, bei denen man hier ohne schlechtes Gewissen sein Fahrzeug volltankt. Ich bin froh, dass ich meinen täglichen Weg zur Arbeit mit dem öffentlichen Nahverkehr zurücklege.

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