Spec Ops The Line (Teil II)

Nachdem ich nach dem kurzen Anspielen von Spec Ops the Line so wenig gute Worte finden konnte, habe ich dem Spiel jetzt noch einmal eine Chance gegeben. Bis zu Kapitel 8 konnte ich immer noch nicht so recht nachvollziehen, wie die guten Kritiken zustande gekommen sind. Erst dann nimmt die Geschichte wirklich Fahrt auf und meine Meinung über dieses Spiel ist gestiegen. Leider wurde diese positive Entwicklung aber nicht durchgehalten.

Es waren bis zu diesem Punkt so zwei bis drei Stellen dabei, die sehr viel zur düsteren Stimmung beigetragen haben und sehr eindringlich waren. Ansonsten war allerdings alles ganz konventionell und die Wertung als „besonderer“ Shooter, der eigentlich ein Antikriegsspiel sein will, ist meiner Meinung nach nicht zutreffend. Es gibt ständig Stellen im Spiel, an denen man an einem festen MG ewige Gegnerwellen niedermähen muss. Das artet dann in ein rechtes Moorhuhnschießen aus. Dann dürfen auch schwer gepanzerte Soldaten mit MG nicht fehlen, die man erst ewig beharken muss. Ab Kapitel 8 dreht sich dann das ganze Spiel und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es beginnt mit einer guten Idee und anschließend ist man dann hautnah mit den Konsequenzen dieser schließlich überhaupt nicht mehr so guten Idee konfrontiert. Die Bilder, die man dann sieht, sind verdammt hart. Hier wandelt es sich dann tatsächlich zu einem Spiel, dass einem weit weg vom amerikanischen Hurra-Patriotismus, die Folgen seines Handelns vorführt. Leider kehrt das Spiel dann wieder zurück zu den Moorhuhneinlagen und den Gegnerwellen. Man muss wohl grundsätzlich immer Wege nehmen, die kaum Deckung bieten und wird von allen Seiten beharkt. Mich hat dieses wüste hirnlose Herumgeballere zum Schluss regelrecht genervt. Das ist eigentlich schade, weil auch noch einige wirklich gut gemachte surreale Traumsequenzen vorkommen.

So ganz weiß ich zwar immer noch nicht, was ich hier soll. Das liegt nicht unbedingt nur an der Story. Bei mehreren Zwischensequenzen war der Ton komplett weg. Einmal hörte man noch den Wind als Hintergrundgeräusch, an anderer Stelle nicht mal mehr das. Die Leute haben eine Ewigkeit gefunkt und miteinander gesprochen, ich habe nichts gehört. Nach den Zwischensequenzen war der Ton wieder da. So richtige Entscheidungen habe ich bis zum Schlusskapitel auch nicht erlebt. Immer wenn ich versucht habe, mal nicht zu schießen, bin ich selbst draufgegangen. Man hat keine Wahl und muss immer Gewalt anwenden, selbst als man einem mit Steinen bewaffneten Lynchmob gegenübersteht. Erst im letzten Kapitel wird etwas Licht in die Geschichte gebracht. Hier gibt es eine große Überraschung, die einen das bisher Erlebte in einem anderen Licht sehen lässt. Allerdings sind für mich trotzdem viele Fragen offen geblieben. Erst zu diesem Zeitpunkt hat man dann auch endlich eine wirkliche Wahlmöglichkeit und erlebt je nach Entscheidung zwei unterschiedliche Endsequenzen. (Bei der einen kommt nach den Titeln im Abspann noch ein Epilog – also dranbleiben.)

Leider sind auch noch einige weitere Probleme aufgetreten:

  • Manchmal bleibt der Bildschirm beim Speichern für mehrere Sekunden komplett schwarz – ohne Speicheranzeige. Ich dachte immer, das Spiel hat sich aufgehängt.
  • Einmal ist es beim Speichern tatsächlich mit der Meldung „Spec Ops funktioniert nicht mehr“ eingefroren. Zum Glück war der letzte Speicherpunkt nicht beschädigt und ich musste nicht komplett am Anfang beginnen. Das scheint aber auch schon vorgekommen zu sein, wenn man den Berichten in den einschlägigen Foren glauben schenken darf. Gespeichert wird in einer einzigen Datei. Wird diese irgendwann beim Speichern beschädigt, lässt sie sich nicht mehr wiederherstellen. Man muss tatsächlich alles nochmal durchspielen.
  • Die KI ist derartig dämlich. Die eigenen Leute laufen einen ständig direkt vor die Flinte.
  • Der Ton der deutschen Fassung ist nicht Lippensynchron. Mit der englischen Fassung soll das nicht auftreten. Im Internet finden sich Empfehlungen, auf Englisch mit deutschen Untertiteln zu spielen. Finde ich wirklich bemerkenswert, da es sich ja um ein deutsches Spiel handelt. Die lustlosen deutschen Stimmen sind aber sowieso unterirdisch. Da kommt kaum Atmosphäre auf.
  • Die Levelbegrenzungen sind wirklich lächerlich. Das ist so wie vor 10 Jahren. Ein rotes Seil, dass ähnlich wie im Museum eine Treppe absperrt, lässt sich nicht überwinden. Es könnte aber auch der Flachbildschirm eines Computers sein, der am Boden stehend als Begrenzung dient. Ich habe nichts gegen eine lineare Story. Aber das ist nicht mehr zeitgemäß. Ähnelt knöchelhohen Hecken, über die man nicht springen kann. Aber die gibt es in der Wüste natürlich nicht.
  • Ständig ruckelt es. Vor allem beim Speichern friert das Bild gerne mal für 1-2 Sekunden ein.

Mir ist es endlich gelungen, die Zwischensequenzen zu überspringen. Überspringen ist in den Zwischensequenzen mit „Enter“ vorbelegt und lässt sich auch nicht ändern. Belegt man jedoch die Entertaste in der Steuerung des Spiels mit einem anderen Befehl, funktioniert das Überspringen in den Zwischensequenzen nicht mehr. Es hilft auch nichts, die Spielesteuerung wieder zu ändern. Man muss zunächst die Standardsteuerung wählen und dann alles nochmal neu belegen. Diesmal allerdings darauf achten, dass „Enter“ nicht mehr belegt wird. Dann klappt es auch mit den Zwischensequenzen.

Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass das Spiel zum großen Teil sehr konventionell und nicht wirklich stimmungsvoll und abwechslungsreich ist. In der Mitte und am Ende des Spiels wird man dann tatsächlich mit Situationen konfrontiert, die einem das Blut gefrieren lassen und die das Spiel von anderen Titeln unterscheidet. Ich finde allerdings, das diese guten Teile in dem Rest etwas untergehen. Ewige Gegnerwellen haben mich zuletzt in Modern Warfare 2 so aufgeregt. Dazu kommt noch die konsolenorientierte Steuerung und die manchmal zu erratische Kameraführung. Für die technischen Probleme muss sofort ein Patch her, der diese behebt. Ich werde das Spiel wohl nicht nochmal durchspielen, da die Nachteile die interessante Story nicht aufwiegen.

Die Idee, einen Shooter ohne die genreübliche Story auf den Markt zu bringen, sollte aber auf jeden Fall weiterverfolgt werden.

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