Spec Ops The Line

Der deutsche Shooter „Spec Ops The Line“ wurde sehr gelobt. Unter anderem beinhaltet er mehrere Situationen, in denen man sich wirklich zwischen unterscheidlichen Problemlösungen entscheiden muss. Wird man einen Gegner erschießen oder nutzt man eine andere unblutige oder auch humane Lösung? Diese Entscheidungen sollen echten Einfluss auf den weiteren Spielablauf haben. Es sind mehrere alternative Endszenarien enthalten. Das hat mich sehr interessiert, denn wenn bisher solche „Enscheidungen“ in Spielen zu treffen sind, dann beeinflusst das meistens überhaupt nichts am weiteren Ablauf oder es sind keine echten Alternativen. Auch sollte das manchmal für Europäer unerträgliche nationalistische Amerika-Pathos nicht vorhanden sein. Der Shooter stammt aus Deutschland und daher wollte ich das auch unterstützen. Ich habe also aufgrund der guten Bewertungen in den Spielezeitschriften zugeschlagen.

Was soll ich jetzt sagen. Ich glaube, ich habe ein komplett anderes Spiel in Händen, als die Spieletester. Ich bin noch nicht sehr weit gekommen und schon am Beginn, bevor nur irgendein Schuss abgegeben wurde, haben mich die Stimmen der Soldaten erschaudern lassen. Die empfinde ich nämlich als äußerst schlecht. Das kann jetzt natürlich daher kommen, dass ich gerade Max Payne 3 fertiggespielt habe. Dort ist die markante Stimme von Max ja für die Stimmung und die Handlung unerlässlich. Anders als bei The Line. Hier wird recht künstlich versucht mit rauher Stimme zu sprechen. Heraus kommt nur eine arge Knödelei. Erinnert irgendwie an Til Schweiger als Jack Carver. Als ein schwer verletzter Kamerad im Sterben liegt, plaudert er zunächst fast wie beim Nachmittagstee.

Das ist also schon einmal ein Minuspunkt. Es wird leider nicht unbedingt besser. Die Steuerung ist ziemlich unpräzise und komisch belegt. So liegen oft zwei völlig verschiedene Aktionen auf derselben Taste. Zum Beispiel Nachladen und Waffenwechsel, Sprinten und in Deckung gehen oder Springen und Nahkampf. Statt nachzuladen fummelt man schon einmal gerne ungewollt nach einer anderen Waffe am Boden. Die Mausempfindlichkeit musste ich deutlich runterstellen. Das geht zum Glück im Spiel. Da wurde wohl von Konsole auf PC portiert. Das Ergebnis entspricht allerdings nicht meinen Erwartungen an eine PC-Steuerung.

Statt 3rd-Person wäre vielleicht auch die Ego-Perspektive besser gewesen. Bin ich zu nahe hinter einer niedrigen Mauer in Deckung, kann ich nicht darüber schießen, obwohl der Oberkörper darüber ragt. Ich muss ein Stück zurück und werde dabei natürlich auch mehr getroffen. Die KI ist nicht so wirklich vorhanden. Man kann seinem Team zwar tatsächlich Befehle geben, bestimmte Gegner auszuschalten, aber das stört, wenn man gerade selbst aus allen Richtungen unter Beschuss liegt. Die Gegner bleiben auch schon einmal gerne mitten auf freier Fläche stehen und überleben die Schüsse meiner Kameraden. Wohl weil sie gebückt stehenbleiben. Ansonsten macht auch die Kameraperspektive immer mal wieder Probleme.

Ich bin noch ziemlich am Anfang, aber kann nicht sagen, ob ich das auch wirklich fertigspielen will. Die Grafik ist grundsätzlich nicht schlecht (Unreal-Engine 3). Aber irgendwie wurde da mit HDR leicht übertrieben. Einige Gegenstände und Gesichter leuchten regelrecht. Ich würde die Grafik jetzt nicht unbedingt so überschwänglich loben, wie einige das getan haben. Die Audio- und Grafikeinstellungsmöglichkeiten in den Optionen sind auch nur sehr beschränkt.

Mir ist es noch nicht gelungen, die Zwischensequenzen zu überspringen. Dies soll laut dem eingeblendeten Text zwar möglich sein, hat bei mir aber nicht funktioniert. Ich empfinde die leider als etwas langatmig und nicht unbedingt für die Handlung wichtig. Aber ich bin ja wie gesagt erst am Anfang. Manchmal ruckelt es bei mir auch oder man hat einfach einen schwarzen Ladebildschirm und fragt sich, ob man jetzt draufgegangen ist oder nicht.

Ich hatte auch bereits so eine unfreiwillig komische Situation, die mich ebenfalls am Spiel hat zweifeln lassen. Man befindet sich außerhalb eines Gebäudes. Man hört laute Musik dröhnen. Man rückt in das Gebäude vor, die Musik ist jetzt sehr laut und mein Teammitglied meint „hört ihr auch die Musik?“.

Von der so gelobten Story habe ich bisher nicht wirklich etwas mitbekommen. Ich weiß nicht warum ich mich dort aufhalte. Ich stapfe nur durch den Sand und schieße auf alles, was auf mich schießt. Aber das scheint wohl noch zu kommen. Dumm nur, dass ich keinerlei Ambitionen verspüre, mir mehr als die erste Dreiviertelstunde anzutun. Aber mal sehen – vielleicht mache ich das doch noch und die Geschichte lässt diese ärgerlichen Punkte in den Hintergrund treten. Bisher muss ich das Spiel jedoch leider als Fehlkauf à la Homefront oder Medal of Honor einstufen. Wirklich schade!

Update: Ich habe es nochmal versucht! Hier ist ein zweiter Bericht.

3 Antworten auf „Spec Ops The Line“

  1. Hi

    Hatte anfangs auch vor mir das Game zu holen
    Zum Glück hab ich es sein lassen.

    MW3-HAUI

  2. Hi Dude,

    oh oh das klingt nicht gut, das klingt gar nicht gut.
    Nach den Testberichten in Gamestar hatte ich mir richtig viel von dem Spiel erhofft 🙁
    Sehr schade..
    Ich hoffe Du schaffst es noch etwas weiter zu spielen, mich interessiert schon, ob das mit der tollen Story wohl noch kommt…

    Danke für den guten ausführlichen ersten Bericht.
    Gruß HaTHor

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