Himmlische Düfte und Höllengestank!

Im Botanischen Garten in München ist in der Winterhalle und im grünen Saal noch bis 9. September 2012 die Ausstellung „Himmlische Düfte und Höllengestank“ zu sehen. Es handelt sich um eine Wanderausstellung der Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran (Südtirol, Italien). Die Texte in der Ausstellung sind in Deutsch, Englisch und Italienisch verfasst. Hierbei geht es um die Düfte von Pflanzen und Hölzern und wie diese eingesetzt werden, um zum Beispiel Bienen oder andere Tiere anzulocken. Das Spektrum reicht von wohlriechenden Rosen bis hin zu Pflanzen, die den Geruch von Aas verströmen, um Fliegen anzulocken. Dies hat mich wirklich interessiert und aus diesem Grund war ich auf die Ausstellung sehr gespannt. Den Eintrittspreis von 5 EUR habe ich daher gerne gezahlt.

Die Ausstellung war eigentlich auch sehr gut gemacht. Informative Texttafeln haben verschiedene Pflanzen und Gerüche vorgestellt und erläutert. Dabei ging es auch um die geschichtliche Einordnung von Düften (z. B. im Mittelalter, Rokoko usw.) oder um die Nutzung in der Parfumindustrie. Zu den Tafeln gabe es passende Riechproben und eine „Duftorgel“ oder ein „Dufträtsel“. Die Idee war also nicht schlecht. In der praktischen Umsetzung hat es jedoch gehapert und so war diese Ausstellung unter dem Strich leider ein totaler Reinfall.

Zuerst ist die Ausstellung auf zwei Orte aufgeteilt (Winterhalle und grüner Saal). Der erste Ort ist noch leicht zu finden. Man muss einfach den Schildern gleich nach der Kasse folgen. Der zweite Ort ist jedoch nur durch ein kleines Plakat an der Türe gekennzeichnet und man muss dazu durch das gesamte Gewächshaus gehen. Hinweisschilder hierauf habe ich keine gesehen. Die Präsentation in diesem Raum hatte darüber hinaus die Anmutung einer Abstellkammer.

Aber der wichtigste Punkt, der das ganze in meinen Augen komplett nutzlos gemacht hat, waren die Riechproben. Dabei handelt es sich um kleine Röhren, die mit einer Klappe verschlossen sind. In den Röhren befindet sich Watte, die mit Duftöl getränkt ist. Öffnet man die Klappe, so kann man den jeweiligen Duft riechen. So war es zumindest gedacht. Leider habe ich bei 90% der Riechproben überhaupt nichts gerochen. Zuerst dachte ich, ich wäre erkältet oder würde an Anosmie leiden. Erst bei starken Düften, wie Rosenöl konnte ich etwas riechen. Vom duftenden Lavendel war nur ein schwacher Hauch zu vernehmen. Offenbar werden die Riechproben nicht regelmäßig aufgefrischt. Bei großem Andrang müsste so etwas sicherlich stündlich passieren und nicht nur einmal am Tag (wenn überhaupt). Als Ergebnis war bei den meisten Proben der Geruch bereits komplett verflogen. Die Holzspäne waren auch schon so ausgelaugt, dass hier ebenfalls kaum etwas zu riechen war.

Das hat die Ausstellung jedoch ad Absurdum geführt. Die Ausstellung basiert gerade auf Duft und dann riecht man eher die Parfums der anderen Besucher. Das kann ja nicht Sinn der Sache sein. Wirklich schade! Ich habe mich dann noch kurz in den anderen Gewächshäusern umgeschaut und bin auch durch das Außengelände gegangen. Dieses ist wirklich gut gepflegt und eine wunderbar bunte Angelegenheit. Hier hätte ich mir allerdings eine gute Beschriftung gewünscht. Diese ist total unzeitgemäß und besteht aus kleinen Tafeln, die lediglich den Namen und evtl. noch die lateinische Bezeichnung enthalten. Keinerlei weitere Erläuterungen, wie genauere Hinweise, um was es sich eigentlich genau handelt oder die Herkunft. Teilweise sind die kleinen Tafeln auch überwuchtert oder fehlen ganz. Dies ist total enttäuschend und passt eigentlich nicht zu dem gut gepflegten und abwechslungsreichen Blumen- und Pflanzenmeer. Hier sollte dringend modernisiert werden. Eine zeitgemäße Beschriftung mit einem kurzen Erläuterungstext und einem Hinweis auf das Vorkommen dürfte nicht so viel kosten. Dieser Besuch war den Eintritt jedoch absolut nicht wert. Bereits nach kurzer Zeit habe ich den Botanischen Garten verlassen und werde wohl so schnell nicht wieder kommen. Wirklich Schade!

Als kleine Entschädigung hier noch ein paar Fotos von Pflanzen in den Gewächshäusern und in den Außenanlagen.

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