1636 ihre letzte Schlacht

Schlacht bei Wittstock (Abbildung gemeinfrei)

Eine absolute Empfehlung ist die Ausstellung „1636 ihre letzte Schlacht“, die gerade in der archäologischen Staatssammlung München zu sehen ist. Der Sonntagseintritt beträgt 4,50 EUR und ist jeden Cent wert.

Im Dreißigjährigen Krieg fand am 4. Oktober 1636 bei Wittstock an der Dosse eine Schlacht zwischen schwedischen und kaiserlich-kursächsischen Truppen statt. Obwohl die schwedischen Truppen zahlenmäßig unterlegen waren, konnten diese durch eine flexible Kampfweise den schwerfälligen kaiserlichen Truppen derart zusetzen, dass diese im Zuge der einsetzenden Dunkelheit das Schlachtfeld fluchtartig verließen und somit ihre Niederlage anerkannten.

Im Jahr 2007 wurde ein Massengrab mit 125 Soldaten entdeckt. Archäologen haben die Ausgrabungen sorgfältig dokumentiert und aus den Ergebnissen wurde die Ausstellung „1636 ihre letzte Schlacht“ konzipiert.

Die Ausstellung führt in den Dreißigjährigen Krieg ein. Sie zeigt zunächst das Leben der Menschen zu dieser Zeit. Dies erfolgt auch anhand der Knochenfunde, an denen sich das harte entbehrungsreiche Leben nachvollziehen lässt. Wenn man beispielsweise die bis auf die Zahnwurzel abgenutzten Zähne eines 30-jährigen sieht, hat man eine Vorstellung von der Nahrung. Harter Körnerbrei, vermischt mit Steinstaub von den Mühlsteinen haben diese Zähne abgenutzt. Man sieht Oberschenkelknochen, die durch Rachitis verformt sind.

Zusätzlich werden Fundstücke wie Schmuck oder Münzen gezeigt, die von Menschen aus Furcht vor Plünderungen versteckt wurden. Man taucht anschließend in das Leben der Soldaten ein. Kann nachvollziehen, wie sie mit dem Tross marschierten, in Feldlagern lebten. Welche Waffen und Ausrüstungsgegenstände sie hatten, wie sie ausgebildet wurden.

Man sollte auf jeden Fall daran denken, auch den zweiten Teil der Ausstellung zu besuchen und nicht schon nach dem ersten Teil aufzuhören. Hier kommt dann das absolute Highlight.

Es wird anhand von Knochenfunden gezeigt, welche Torturen die Soldaten durchmachen mussten. Man sieht hier ebenfalls abgenutzte Zähne, aber auch total verformte Nasennebenhöhlen, die aufgrund von ständigen Atemwegsinfekten einen Hinweis auf das hygienisch katastrophale Lagerleben bieten. Schädel, die durch andauernden Läusebefall angegriffen sind. Weiterhin aber auch Verformungen von Knochen aufgrund von Syphillis, Überlastungen der Gelenke oder durch vieles Reiten. Natürlich auch Verletzungen, die in der Schlacht erfolgten. Nur jeder siebte Soldat starb auch wirklich aufgrund von Kampfhandlungen. Die meisten jedoch an Infekten, die sie sich in den Feldlagern zugezogen haben.

Das absolute Highlight ist jedoch die lebensechte Rekonstruktion des Gesichts eines der beerdigten Soldaten. Es handelt sich um den mit 1,80 m größten Soldaten aus dem Grab. Dieser stammte aus Schottland und wurde in der Schlacht getötet. Man kann ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und direkt in die Augen sehen. Zusätzlich sieht man auch die Vielzahl an Verletzungen, die er in der Schlacht, aber auch schon zu einem früheren Zeitpunkt erlitt. Ein sehr beeindruckenden Augenblick, wenn man dem Soldaten  in die Augen blickt.

Die Ausstellung ist wirklich absolut zu empfehlen. Die Stücke werden ansprechend präsentiert. Es kommt auch Multimedia zum Einsatz. Dies jedoch absolut unaufdringlich und absolut glaubwürdig. An vielen Stationen wird auch extra auf Kinder eingegangen. Allerdings sind einige Ausstellungsstücke leider so angebracht, dass diese von kleineren Kindern ohne Hilfe nicht betrachtet werden. Trotzdem finden diese auch spannende Beschäftigungsmöglichkeiten.

Sehr zu empfehlen ist auch der Katalog zur Ausstellung.

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