Die Münchner Polizei und der Nationalsozialismus

Abbildung unter Creative-Commons-Lizenz; Urheber: Rufus46

Die bis 30. Dezember 2012 stattfindende Ausstellung „Die Münchner Polizei und der Nationalsozialismus“ muss man unbedingt besucht haben. Die Ausstellung ist im Polizeipräsidium München an der Ettstraße 2 untergebracht. Der Eintritt ist frei. Ich habe mich gefreut, einmal das Polizeipräsidium an der Ettstraße von innen zu sehen. Man muss zuerst am Pförtner vorbei, der die Innentüre dann öffnet. Dies geht mit dem Hinweis auf die Ausstellung aber völlig problemlos. Im Inneren darf man sich von den Polizisten nicht abschrecken lassen, die am Wochenende die Treppen zu den oberen Stockwerken bewachen und offensichtlich darauf achten, dass sich niemand „verläuft“. Sie sind aber natürlich freundlich und helfen einem dabei, den Weg in den Rapportsaal zu finden, in dem die Ausstellung untergebracht ist. Man muss sich nach der Innentüre nach rechts wenden.

Die Ausstellung ist wirklich sehr gut und interessant recherchiert. Sie besteht aus vielen Tafeln, auf denen sehr viel Text, viele Bilder und Zitate und Info-Kästen zu finden sind. Man muss also sehr viel lesen. Wer das nicht mag, wird mit der Ausstellung Probleme haben. Die Bilder und nicht zuletzt auch das laufende Video bieten aber Abwechslung. Vom ganzen Text sollte man sich aber wirklich nicht abschrecken lassen. Man wird umfassend informiert. Die Texte sind leicht zu lesen und sehr informativ.

Es wird der Weg der Polizei in München nachgezeichnet. Es beginnt in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg mit der Überwachung der Nationalsozialisten und der Niederschlagung des Hitler-Ludendorff-Putsches in der Weimarer-Republik. Dabei wird aber auch die ambivalente Haltung der Polizei nicht ausgespart. Es geht weiter über die Feme-Morde und die Unterstützung der Nazis durch Richter, Staatsanwälte und hohe Polizeifunktionäre. Die Gleichschaltung der Polizei nach der Machtergreifung und die Überwachung von Juden, „Zigeunern“, Oppositionellen oder Homosexuellen. Die Rolle der Polizei im Zweiten Weltkrieg bei Erschießungen und bei der „Partisanenbekämpfung“ wird umfassend geschildert. Nach Kriegsende wird die fehlende Aufarbeitung von Nazi-Unrecht thematisiert. Am Beispiel von einigen hohen Polizeibeamten wird kritisch aufgezeigt, dass diese trotz der begangenen Verbrechen kaum zur Rechenschaft gezogen und schließlich freigesprochen wurden. Viele waren nach dem Krieg wieder im Amt.

Sehr beeindruckend zum Beispiel das Schreiben eines Antragsstellers, der nach dem Kriegsende im Polizeipräsidium München außer sich vor Wut randalierte, weil er denselben Beamten gegenüberstand, der ein paar Jahre zuvor dessen Deportierung in ein KZ anordnete. Darüber hinaus wurde er von dem Beamten mit den Worten begrüßt, er wundere sich, dass der Antragssteller überhaupt noch lebe.

Sehr interessant auch die Tafel, auf der einige wenige Beamte gezeigt werden, die sich dem Gruppendruck und dem Terror entziehen konnten und beispielsweise einen entflohenen KZ-Insassen bei sich versteckten oder sich der Abkommandierung zu einem Einsatzkommando (also Erschießungskommando) an der Ostfront widersetzen konnten.

Auch die radikale Einsatztaktik bis in die 60er Jahre, die sich erst durch die Lehren aus den Schwabinger Krawallen änderte, wird angesprochen. Die Ausstellung vermittelt ein differenziertes Bild und spricht auch unangenehme Wahrheiten an. Es wird nicht versucht, die Polizei besser dastehen zu lassen. Hierfür gebührt dem Polizeipräsidium München Respekt. Die Aufarbeitung dieses Themas ist sehr wichtig.

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