„Entartete Kunst“ – Der Berliner Skulpturenfund von 2010

2010 wurden in Berlin vor dem Roten Rathaus bei Arbeiten für den Bau einer neuen U-Bahn-Station mehrere Skulpturen ausgegraben. Die zum Teil schwer beschädigten Kunstwerke waren zunächst kaum zu erkennen.

Bei den Skulpturen handelt es sich um Werke, die im Rahmen der nationalsozialistischen Ausstellung „Entartete Kunst“ beschlagnahmt wurden. Die tatsächliche Verbindung zu dieser Femeausstellung zeigte sich jedoch erst nach und nach. Schließlich konnte man rekonstruieren, dass die Skulpturen im vierten Stock eines Gebäudes eingelagert waren. Bei einem Bombenangriff wurde das Gebäude stark beschädigt. Die Werke fielen in den Keller und waren dort tagelang in den glühenden Überresten des Hauses starker Hitze ausgesetzt. Schließlich überdauerten sie die Zeit bis 2010 mit den Trümmern des Hauses

im Boden. Dementsprechend ist auch der Zustand der Skulpturen. Einige sind nur noch fragmentarisch vorhanden, oder sogar zerbrochen. Die Statuen sind zwar von Erde und Mörtelresten befreit, jedoch wurde der Originalzustand absichtlich nicht mehr hergestellt. Dieser Kontrast ist bei einer Skulptur schön zu sehen. Bei dieser wurden Teile restauriert und poliert. Teilweise zeigt sich also der einstige Glanz. Der Rest der Skulptur lässt aber die hohen Temperaturen des Bombeneinschlags und die in der Erde verbrachte Zeit erahnen.

Die Ausstellung in der Neuen Pinakothek dreht sich um eine Bronze der Filmschauspielerin Anni Mewes (1896-1980) von Edwin Scharff, die seit 1917 im Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen war und im Sommer 1937 von der »Kommission Direktor Stahl« im Depot des Bibliotheksbaus des Deutschen Museums beschlagnahmt und mit der Spedition Knauer nach Berlin verschickt wurde. In der Ausstellung werden 16 ehemals beschlagnahmte Skulpturen gezeigt, die das Ende des Zweiten Weltkrieges und die folgenden Jahrzehnte im Bombenschutt eines Wohnhauses überdauerten. Sie galten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als verschollen. Hier zeigt sich eindringlich das seltsame Kunstverständnis der Nationalsozialisten und lässt einen nur kopfschüttelnd zurück. Die Ausstellung ist noch bis 28.01.2013 in München in der Neuen Pinakothek zu sehen. Der Sonntagseintritt beträgt 1 €. Die Ausstellung befindet sich im Obergeschoss der Pinakothek und umfasst den Balkon im Foyer der Pinakothek und einen dahinterliegenden Raum, in dem noch weitere Informationen zur Ausstellung „Entartete Kunst“, der Beschlagnahme von Kunstwerken und einigen verfemten Künstlern zu finden sind.

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