Augenblick Afghanistan im Völkerkundemuseum

Im Völkerkundemuseum München ist noch bis 15. September 2013 die Ausstellung „Augenblick Afghanistan – Angst und Sehnsucht in einem versehrten Land“ zu sehen. Die Ausstellung stellt das Land mit all seinen Seiten vor. Es sind Bilder von Fotografinnen und Fotografen aus Afghanistan zu sehen, die das von Krieg geprägte Land zeigen. Mir wurde noch einmal vor Augen geführt, dass in diesem Land bereits seit über drei Jahrzehnten Krieg herrscht. Es werden Aussagen von Soldaten der Bundeswehr in Wort und Schrift gezeigt. Diese bilden die ganze Bandbreite von Optimismus und Pessimismus ab. Die Soldaten betonen immer wieder die Gastfreundschaft der Leute und nennen Afghanistan ein wunderschönes Land, in dem man wirklich Urlaub machen würde, wenn die Sicherheitslage anders wäre.

Sehr eindrucksvoll sind die dort von Einheimischen geknüpften Teppiche. Diese zeigen tatsächlich Gewehre, Panzer und Hubschrauber. Auch das Kinderspielzeug ist von diesen Eindrücken geprägt.

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Spielzeug: Sturmgewehr AK-47, Panzer, Hubschrauber und Handgranate aus Holz

Aber nicht nur Krieg und Gewalt wird thematisiert. Es wird auch die Religion und die Kultur des Landes vorgestellt. Es finden sich Schmuck oder dieses Musikinstrument.

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Laute

Interessant finde ich auch, wie der Ganzkörperschleier dort gesehen wird. Hier steht er für die Unterdrückung der Frau durch den Islam. Die Frauen sehen das jedoch ganz anders. Für sie käme es nicht in Frage, diesen zu entfernen. Sie fühlen sich auch dadurch nicht unterdrückt. Oder wie die afghanische Künstlerin Shamsia Hassani sagt: „Freiheit ist nicht, den Frauenschleier zu entfernen; Freiheit bedeutet, in Frieden zu leben!“

Mir war auch nicht klar, dass die Einwohner von Kabul zum Bowlen gehen können. Auch wenn dies aufgrund des hohen Preises natürlich den Besserverdienenden vorbehalten ist. Das Land wird mit allen Facetten vorgestellt. Von der Herrschaft der Taliban und der Sprengung der Buddastatuen, von Bombenanschlägen, aber auch von der Gastfreundschaft der Leute, die obwohl sie selbst nichts haben, Gäste mit Essen und Trinken bewirten. Man erfährt etwas über die wieder aufblühende Musik und Tänze, die beide in Afghanistan eine lange Tradition haben. Die Armut der Leute, die sie zwingt, Mohn anzubauen und Opium zu gewinnen.

Die Ausstellung endet mit einem großen Fragezeichen, in denen die Frage nach der Zukunft des Landes nach dem Abzug der ISAF-Truppen im Jahr 2014 gestellt wird. Die Frage wird nicht beantwortet. Die Ausstellung hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen. Präsentiert wird sie auf wunderbar moderne und plastische Art, wie alle Ausstellungen im Völkerkundemuseum. Der Eintritt in die Sonderausstellung kostet 6 EUR (kein Sonntagseintritt) und ist es wirklich wert.

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