RSS-Reader selbst aufsetzen

Von der allgemeinen Aufregung um das Abschalten des RSS-Readers von Google bin ich natürlich auch betroffen. Ich habe bisher den Google-Reader ständig genutzt um am PC oder am Mac, am Sofa auf dem iPad oder auch mal unterwegs auf dem iPhone die Feeds zu verfolgen. Auf Mac und PC hatte ich tatsächlich die Google-Seite im Browser auf, auf den mobilen Endgeräten nutzte ich dazu Apps. Wichtig ist mir natürlich die Synchronisation, um nicht dieselben Beiträge überall ständig als neu angezeigt zu bekommen.

Da Google bereits jetzt den Reader aus seiner Menüleiste entfernt hat, wollte ich mir umgehend eine Alternative suchen und nicht bis Juli warten. (Über die Eingabe der URL reader.google.de lässt er sich aber natürlich noch aufrufen.) Um nicht wieder mit einem Anbieter hereinzufallen, der irgendwann beschließt, dass RSS ja eigentlich nicht mehr genutzt wird, möchte ich das jetzt selbst hosten. Hierfür gibt auch einige Projekte, die aktiv weiterentwickelt werden:

  • Fever – sieht sehr gut aus, kostet jedoch 30 $, die dann bei Major-Updates erneut fällig werden. Benötigt eine Mysql-Datenbank und ist mir etwas zu überdimensioniert, da ich einige der angebotenen Funktionen nicht nutze.
  • Tiny Tiny RSS – sieht auch gut aus und ist Open-Source. Für Android gibt es eine offizielle Reader-App. Benötigt jedoch auch eine Mysql-Datenbank und hat ebenfalls Funktionen, die ich nicht unbedingt benötige. Es ist mir daher auch zu überdimensioniert.
  • selfoss – hat ein ansprechendes Design und ist ebenfalls Open-Source. Es kann mit einer Mysql-Datenbank betrieben werden, jedoch ist eine kleine Sqlite-Datenbank ohne weiteren Aufwand nutzbar.
  • Owncloud – soll ab Version 5.x ebenfalls einen RSS-Reader bekommen. Da das jedoch nur ein kleiner Teil des Funktionsumfangs sein wird, ist mir das auf jeden Fall zu überdimensioniert.

Ich habe mich dann schließlich für selfoss entschieden, da es einfach ohne großes Datenbankgedöns installiert werden kann. Es gibt zwar keine Reader-Apps, jedoch wurde die Ausgabe jeweils für Browser, iPad, iPhone und Android angepasst. Das ist auch wirklich der Fall. Selfoss ist auf allen Endgeräten übersichtlich und leicht zu bedienen und sieht ansprechend aus. Offline-Lesen geht damit natürlich nicht.

Ebenfalls muss man sagen, dass es bisher nicht möglich ist, die Feeds getrennt (in einzelnen Ordnern) anzuzeigen. Ich habe das mit Hilfe von Tags gelöst. Mehrere Benutzer werden ebenfalls nicht unterstützt, was ich allerdings auch nicht benötige. Selfoss wird jedoch aktiv weiterentwickelt und einige Punkte wurden auch bereits als Request aufgenommen. Der Entwickler hat auch eine Vielzahl von Verbesserungen angekündigt, die mit dem nächsten Update kommen sollen.

Die Installation ist wirklich nicht allzu schwer:

  1. Man geht auf http://selfoss.aditu.de/ und lädt sich die aktuelle Version (derzeit 2.3 2.5) herunter.
  2. Per ftp wird das entpackte Archiv auf den Webserver hochgeladen. (Wichtig ist, auch die versteckte .htaccess-Datei nicht zu vergessen.)
  3. Die Verzeichnisse data/cache, data/favicons, data/logs, data/thumbnails, data/sqlite und public/ beschreibbar machen. Im ftp-Programm die Dateiberechtigungen daher auf 777 setzen.
  4. Die hochgeladene Datei config.ini defaults.ini anpassen. Ich benutze die Sqlite-Datenbank und muss hierfür keine Änderungen an der config.ini vornehmen.
  5. Ich möchte jedoch, dass nicht jeder einfach meinen RSS-Reader aufrufen kann. Daher aktiviere ich das Login. Die funktioniert, indem man in der config.ini bei den Punkten username den gewünschten Benutzernamen angibt. Bei password wird ein Passwort eingetragen, dass wir allerdings erst im nächsten Punkt generieren werden. Vorerst kann man diesen Punkt freilassen. Bei salt sollte man die voreingestellte Zeichenfolge durch eine selbst gewählte zufällige Zeichen- und Ziffernfolge ersetzen. Wir werden den Passworthash, den wir gleich erzeugen, nämlich salzen.
  6. Wir rufen jetzt im Browser unsere selfoss-Installation auf und lassen uns den Passworthash erzeugen. Wir geben im Browser die URL http://deine_installation_selfoss.de/password  ein und geben im Feld das gewünschte Passwort ein. Nach einem Klick auf „Hash generieren“ kopieren wir die angezeigte Zeichen- und Buchstabenfolge und tragen sie in unsere config.ini unter dem Punkt password ein.

Jetzt ist die Installation abgeschlossen. Wir können selfoss aufrufen und uns einloggen. Es sind natürlich noch keine Feeds abonniert. Wir werden jetzt die Feeds des Google-Readers einfach importieren.

Zuerst also im Browser die URL https://www.google.com/takeout/ aufrufen, um eine Exportdatei des Google-Readers zu erzeugen und auf dem Rechner zu speichern. Es handelt sich um eine Zip-Datei. Diese entpacken wir und suchen uns nur die Datei subscriptions.xml heraus. Mehr brauchen wir nicht, da dort die bei Google abonnierten Feeds enthalten sind.

Jetzt im Browser die URL http://deine_installation_selfoss.de/opml aufrufen. Die gespeicherte subscriptions.xml angeben und auf „Deliver my OMPL“ klicken. Die Feeds sind jetzt in selfoss importiert.

Da selfoss ja derzeit keine Ordnerstruktur kennt, habe ich einfach sämtlichen Feeds ein gleichnamiges Tag verpasst. Dazu geht man unten links auf die Wolke mit dem Pfeil und editiert die einzelnen Feeds. Durch die vergebenen Tags kann ich es fast genauso wie Google-Reader nutzen.

selfoss

Einige Anmerkungen noch zum Abschluss der Installation:

selfoss ist nur in Englisch verfügbar. Ob weitere Sprachen dazukommen, ist mir nicht bekannt. Allerdings ist die Bedienung recht intuitiv und nicht besonders schwierig. Man kommt also auch ohne englische Sprachkenntnisse zurecht.

Mittels der Taste t kann man im Browser den aktuellen Artikel als gelesen markieren und springt sofort einen Artikel weiter.

Was jetzt noch fehlt, ist ein Update der Feeds. Ein Update-Button ist noch nicht eingebaut, wurde aber bereits als Request aufgenommen. Manuell kann man es aufrufen, indem man die Adresse http://deine_installation_selfoss.de/update eingibt. Wer das automatisieren möchte, richtet sich einen Cronjob ein und lässt diesen in einem definierten Abstand (bei mir z. B. alle 15 Minuten) die Update-URL aufrufen. Bietet der Hoster keine Cronjobs an, kann man sich auch einen externen Dienst dafür suchen.

Selfoss entspricht genau meinen Anforderungen. Es sieht auch auf den mobilen Endgeräten gut aus und wird aktiv weiterentwickelt. Der Entwickler hat gerade im Hinblick auf das Ende des Google-Readers einen ziemlichen Zulauf erfahren und hat darauf reagiert. Ich denke, dass auch das Features, die jetzt vermisst werden, recht schnell eingebaut werden. Ich teste selfoss jedenfalls jetzt ausgiebig im Alltag und bin bisher sehr zufrieden.

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