Gillian Wearing und Isaac Julien im Museum Brandhorst

IMG_0273-1Eigentlich wollte ich ja gestern in die Neue Pinakothek und dort die Ausstellung über den Landschaftsmaler Johann Christian Reinhart besuchen. Angesichts der langen Schlange an der Kasse, die sich in dem wirklich nicht gerade kleinen Foyer gebildet hatte und die sich mit mehreren Kurven am Bücherladen vorbei bis zu den Drehtüren am Eingang wandt, habe ich gleich wieder umdisponiert und mir statt dessen die Ausstellung über Gillian Wearing im Museum Brandhorst angesehen. Dort wollte ich zwar erst in den nächsten Wochen hin, aber was solls. Dafür habe ich noch die Videoinstallation von Isaac Julien gesehen.

Im Museum Brandhorst ist eine Ausstellung mit den Arbeiten von Gillian Wearing und eine 5-Kanal-Videoinstallation von Isaac Julien zu sehen. Julien zeigt auf fünf Leinwänden abwechselnd Videobilder. Zunächst kann man nicht richtig erkennen, um was es geht. Er zeigt prächtige Paläste und gepflegte Gärten. Dabei aber auch immer wieder Bilder von zersplitterten Booten und Menschen im Wasser. So langsam erahnt man, dass es wohl um Flüchtlinge geht, die sich mit kleinen Booten von Afrika aus auf den Weg nach Sizilien machen. Zum Schluss dann der Schock, als der Gegensatz zu den ästhetischen Bildern mit Leichen von Ertrunkenen geschaffen wird. Eine sehr eindrückliche Installation, bei der wie von Isaac Julien gewohnt, die Bilder immer wieder abwechselnd auf verschiedene Leinwände projiziert werden und manche auch einmal dunkel bleiben. Dazu der raumfüllende Sound von Meeresrauschen und der Unterwasseraufnahmen. Man muss jedoch einige Minuten investieren, um den Sinn hinter der Installation zu erkennen. Leider war der 28. April 2013 der letzte Tag, an dem die Videoinstallation zu sehen war.

Gillian Wearing arbeitet neben Fotos auch viel mit Videoaufnahmen. Die Ausstellung ihrer Werke ist noch bis 7. Juli 2013 zu sehen. Neun Ausstellungsräume bieten eine umfassende Übersicht ihrer Arbeit. Sehr interessant die Bilder von Passanten, die Wearing bat, einen persönlichen Gedanken auf Papier zu bringen und die sie dann fotografierte. Bedrückend das Interview mit einer Trinkerin, die den Tod ihrer Schwester bedauerte und kurz nach den Aufnahmen selbst verstarb.  Einen interessanten Aspekt zeigen auch die Bildschirme, die wie Fotografien gerahmt sind. Auf den ersten Blick wirken sie wie Portraits. Erst als plötzlich die Frau auf dem „Portrait“ einmal blinzelt oder das kleine Mädchen seine Geige an das Kinn legt und anfängt zu spielen, erkennt man dass es sich nicht um Fotos, sondern um Videos handelt.

Ein interessantes Bild zeichnen auch die Selbstinszenierungen als Mitglieder der eigenen Familie. Wearing schlüpft dabei anhand von Silikonmasken in die Rollen ihrer Familienmitglieder. Ein irritierendes Bild zeigen auch die Interviews von Eltern und ihren Kindern. Dabei sprechen diese über ihre Probleme miteinander. Allerdings sieht man z. B. die Mutter reden. Die Stimme ist jedoch die ihrer beiden Söhne. Auch das Gesagte ist das, was ihre Söhne über sie gesagt haben. Sieht man ihre Söhne, redet in Wirklichkeit die Mutter. Alles ist absolut Lippensynchron. Man erkennt das nicht wirklich, sondern kann das nur aus dem Kontext erschließen. Hier verschwimmen die Gegensätze und man muss sich ständig klar machen, wer das jetzt gesagt hat. Eine Installation, die den Betrachter sehr fordert. Es sind noch weitere Werke von ihr zu besichtigen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Der Sonntagseintritt beträgt wie immer 1 EUR.

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