Das Drama einen guten RSS-Reader zu finden

Ich war ein begeisterter Nutzer des Google Readers. Nach Googles Entschluss, diesen zum 1. Juli 2013 abzuschalten, bin ich zunächst auf selbst gehostete Reader umgestiegen. Mit dem Reader Selfoss war ich eigentlich grundsätzlich ganz zufrieden. Allerdings hatte er mit manchen meiner Feeds Probleme und zeigte mir immer mal wieder keine neuen Artikel oder bei einzelnen Artikeln beispielsweise keine Fotos mehr an, was ich jedoch nicht immer sofort bemerkte. Selfoss bietet zwar eine angepasste Oberfläche an, die auch im mobilen Browser eine gute Figur macht. Allerdings wäre mir eine App für das iPad oder iPhone lieber.

Ich bin dann auf den Reader von Owncloud umgestiegen, der mir vom Interface her ganz gut gefallen hat. Allerdings war mir das Drumherum mit der persönlichen Cloud zu kompliziert zu betreiben. Eine App für iOS gibt es nicht. Im mobilen Browser des iPads kann man noch ganz ordentlich seine News lesen, auf dem iPhone ist das jedoch nicht wirklich möglich. Der Reader selbst funktionierte zwar schon ganz gut, steckt aber trotzdem noch in den Anfängen und machte manchmal (wenn auch nur selten) Probleme.

Ich wollte auch einen Reader, an dem ich nicht ständig selbst irgendetwas updaten oder in dessen Config-Dateien ich herumhacken muss. Mir hat dann The Old Reader ganz gut gefallen. Dieser erinnert vom Aussehen her an den alten Google Reader und dank API konnte ich ihn sogar mit meinen bereits gekauften RSS-Apps für das iPhone und iPad nutzen. The Old Reader hat trotz einiger Kritikpunkte zuerst eigentlich ganz zufriedenstellend funktioniert. Auch hier funktionieren einige Feeds nicht immer. Neue Artikel werden manchmal erst mit einer Verzögerung von mehreren Stunden oder sogar Tagen angezeigt. Letzte Woche hatte The Old Reader dann eine mehrtägige Auszeit. Das Projekt wird von einigen wenigen Leuten nebenbei betrieben. Sie hatten handelsübliche SSD-Festplatten für Desktop-Rechner in ihren Server eingebaut und wunderten sich, dass sämtliche Platten bereits nach einem halben Tag mit Schreib-/Lesefehlern ausfielen. So ganz professionell wirkte das natürlich nicht, aber da es eigentlich ein Nebenbei-Projekt von Privatleuten ist, habe ich noch nichts gesagt. Außerdem kann man bei einem freien Service nicht wirklich hohe Ansprüche stellen. Seit einigen Tagen ist der Reader wieder online. Es gibt jedoch noch größere Verzögerungen (zum Teil mehrtätig!) bei der Anzeige von neuen Nachrichten. Beim Lesen der Artikel geht die Seite auch mehrmals in die Knie und hat lange Antwortzeiten oder zeigt nur einen Hinweis an.

Jetzt kommt der große Abschluss von The Old Reader. Gestern haben die Entwickler angekündigt, den Service nur noch mit einer verringerten Nutzerzahl weiterzuführen, da sie in den letzten Tagen, beginnend mit dem Serverausfall und der Wiederherstellung der Daten keinerlei Zeit für Freunde und Familie hatten. Die Leute, die den Reader unterstützt hatten und sich vor dem 13. März 2013 angemeldet haben, können diesen weiterhin nutzen. Den restlichen  Nutzern (da bin ich natürlich dabei) wird von den Entwicklern in ihrem Blog unterstellt, dass sie nur wegen der Abschaltung des Google Readers zum Old Reader gekommen sind und daher in zwei Wochen ausgeschlossen werden.

Vielen Dank dafür. Ich habe Verständnis, dass bei einem kostenlosen Projekt nicht immer alles glatt laufen kann. Ich habe auch Verständnis, wenn man ein Leben haben möchte und nicht ständig an den Betrieb einer Webseite denken möchte. Allerdings habe ich kein Verständnis, wenn ich gerade um den Zeitpunkt des Abschaltens des Google Readers herum, meinen Service als tolle Alternative anpreise und dadurch Leute anziehen will und diese dann bestrafe und als „uncoole Leute“ brandmarke, die ja lediglich einen Ersatz-Reader gesucht haben. So geht das in keinster Weise.

Was ist mein Fazit, dass ich aus dieser Angelegenheit ziehe? Ich werde mich auf keinen fremdgehosteten Dienst mehr verlassen und auf jeden Fall einen eigenen Reader nur für mich betreiben. Da habe ich meine Daten selbst in der Hand und kann auch selbst entscheiden, ob ich den Dienst weiterbetreiben möchte oder nicht. Folgende Anforderungen habe ich an den Reader:

  • Einfach und ohne großen Aufwand zu hosten und aktuell zu halten.
  • Gute Performance
  • Nutzung im Webbrowser
  • API zur Nutzung durch Reader-Apps
  • Mit vielen Feeds problemlos zurecht kommen.

Ich werde mir auf jeden Fall nocheinmal Selfoss und Tiny Tiny RSS ansehen und über die Installation und Erfahrung berichten.

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