Reinhold Messner und der Nanga Parbat

Seit langer Zeit wieder einmal Lesestoff. Diesmal geht es um zwei Bücher des wohl bekanntesten Extrembergsteigers – Reinhold Messner. Das erste Buch „Der nackte Berg, Nanga Parbat – Bruder, Tod und Einsamkeit“ beschreibt die Geschichte der gescheiterten und der geglückten Besteigungen des 8125 m hohen Bergs des Himalaja. Den größten Teil des Buchs nimmt natürlich die Expedition im Jahr 1970 ein. Hier beschreibt Reinhold Messner wie er zusammen mit seinem Bruder Günther erfolgreich den Nanga Parbat überschreitet und dieser dann höhenkrank wird. Reinhold Messner geht immer wieder voraus und versucht eine geeignete Abstiegsroute über die Diarmirflanke zu finden. Auf einmal kommt Günther nicht mehr nach. Er bleibt verschwunden und wurde durch den Abgang einer Eislawine verschüttet und getötet. Reinhold Messner versucht einen ganzen Tag lang seinen Bruder zu finden, muss dann jedoch weiter absteigen um sich selbst zu retten. Er schafft es tatsächlich sich (zuletzt nur noch kriechend) zu einigen Bergbewohnern durchzuschlagen. Nach mehreren Tagen, die er ohne Wasser und Nahrung und mit schweren Erfrierungen an Füßen und Händen übersteht, ist er tatsächlich gerettet. Die Überschreitung des Nanga Parbat, die ihm als Ersten gelungen ist, ist sein größter Triumph und gleichzeitig seine größte Niederlage, da er seinen Bruder verliert. Die Rettung begreift Reinhold Messner als Wiedergeburt und gibt in diesem Buch einen Einblick in seine Gedankenwelt während des Abstiegs und nach seiner Rettung. Er geht auch auf seine Kritiker und auf Anfeindungen ein. Das Buch ist sehr fesselnd geschrieben. Die Verzweiflung und die ausweglose Lage wird begreifbar. Nach der Lektüre dieses Buchs kann man Reinhold Messner auf jeden Fall besser verstehen.


Das zweite Buch ist „Die weiße Einsamkeit, Mein langer Weg zum Nanga Parbat“ und schließt thematisch an das zuerst vorgestellte Buch an. Er geht nocheinmal kurz auf die Expedition von 1970 und den Tod seines Bruders ein. Dann jedoch erzählt er, wie es ihm seit dieser Tragödie ergangen ist. Immer wieder zieht es ihn zum Nanga Parbat zurück. 1978 gelingt ihm dann die Besteigung im Alleingang. Er schreibt über seine Schuldgefühle, seine Einsamkeit und die Gedanken an seinen Bruder. Auch hier geht es wieder um die Vorwürfe, die ihm gemacht wurden. Er hätte aus egoistischen Motiven seinen Bruder für seinen Erfolg geopfert. Reinhold Messner erklärt sein Handeln und widerlegt diese Anschuldigungen. Dem Leser muss auf jeden Fall klar sein, dass bei diesen extremen Touren ein hohes Risiko besteht. Jedem der Beteiligten einer solchen Expedition muss klar sein, dass er auch umkommen kann. Irgendwelche rationalen Überlegungen, die man am Schreibtisch treffen würde, können nicht auf die Gegebenheiten vor Ort in der Todeszone über 7500 m übertragen werden. Vor allem, wenn man nicht selbst in einer solchen Situation war, sollte man mit einem vorschnellen Urteil vorsichtig sein. Auch dieses Buch ist sehr spannend und hilft dem Leser, Reinhold Messner noch besser zu verstehen.

Beide Bücher kann ich absolut empfehlen.

Nanga Parbat from air
Nanga Parbat mit Blick auf die Diamirflanke. (Guilhem Vellut – Creative Commons Lizenz)

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