From Samoa with Love?

Die Sonderausstellung im Völkerkundemuseum „From Samoa with Love?“ , die noch bis 5. Oktober 2014 zu sehen ist, handelt von den Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Darin wurden Angehörige „fremder und exotischer“ Volksgruppen in das Kaiserreich geholt und durften dann in Zoos und auf Volksfesten z. B. bei Carl Hagenbeck in Hamburg in mehr oder weniger aufwendig gestalteter Kulissen typisches „Stammesleben“ und Tänze vorführen. Dabei natürlich immer mit dem Blick der Kolonialherren auf „primitive“ und romanisch verklärte „naturnahe“ Völker. Dabei wurden die Gelegenheit auch gezielt genutzt um nur spärlich bekleidete Frauen zu zeigen, was die damaligen Konventionen in anderem Zusammenhang nie zugelassen hätten.


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Die Ausstellung zeigt mehrere Völkerschauen, die zwischen 1895 und 1911 stattfanden und beleuchtet diese mit Fotografien, Plakaten und Originalstücken. Darunter ist auch ein 18 Meter langer Stoff aus Rindenbast. Für diese Schauen reisten mehrere Gruppen meist ranghoher Samoaner nach Deutschland und prägten für eine sehr lange Zeit das Bild dieser Kultur in Deutschland. Begleitet wurden sie von den Brüdern Fritz und Carl Marquardt, die diese Schauen organisierten.

Obwohl diese Völkerschauen aus heutiger Sicht natürlich eine außerordentlich zweifelhafte Sache darstellen, war ich jedoch erstaunt, dass die dargestellten Volksgruppen durchaus auch aus eigenem politischem Interesse handelten und mehr oder weniger freiwillig daran teilnahmen. So kamen diese beispielsweise auch um den Kaiser als obersten Kolonialherren zu treffen. Sie versuchten so auch ihre Interessen zwischen denen von Deutschland, England und Frankreich zu wahren.

Die Ausstellung ist interessant und wird modern und ansprechend mit Stereofotografien, Ton- und Videodokumenten präsentiert. In der Ausstellung lädt ein Liegestuhl mit Literatur über Samoa zum schmökern ein. Abgerundet wird sie durch passende Werke aktueller samoanischer Künstler. Der Eintritt kostet 6 EUR.

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