2. Bierprobe im Hopfenmuseum Wolnzach

Am letzten Samstag stand ein erneuter Besuch im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach samt Bierprobe auf dem Programm. Während es bei der letzten Bierprobe um historische Biere ging, wurden diesmal Wissen und Kostproben zu belgischen Bieren präsentiert.IMG_0406 IMG_0407

Die probierten Biere gehörten einem breiten Spektrum an. Von sehr gut bis zu nahezu untrinkbar. Belgien hat eine sehr lange und reiche Braukultur. Da man sich hier nicht an das Deutsche Reinheitsgebot halten musste, hat sich einerseits eine große Vielfalt an Bieren herausgebildet. Andererseits allerdings auch Biere, die man eher mit dem Wort „gruselig“ bezeichnen würde. Auf jeden Fall aber eine Bereicherung außerhalb der in Deutschland angebotenen Einheitsbiere. Das Deutsche Reinheitsgebot wird also auch durchaus kritisch gesehen.

Zunächst gab es ein Bloemenbier („Blumenbier“) einer belgischen Versuchsbrauerei. Die Flasche wurde ohne Etikett in einer handgewickelten Papierumhüllung angeboten. Das 7%-ige Bier machte seinen Namen alle Ehre. Es hatte blumige oder wohl eher fruchtige Aromen. Außerdem wird während des Brauvorgangs Zucker zugesetzt. Dadurch hatte es auch einen süßen, honigartigen Geschmack. Das Bier war auch tatsächlich sehr süffig und gut zu trinken.

Das nächste Bier war ein sogenanntes Trappistenbier namens Orval aus der  Zisterzienserabtei Notre-Dame d’Orval. Das Bier wird in den Trappistenklöstern gebraut und ist eigentlich fast nur vor Ort zu kaufen. Das Bier selbst war mit etwa 7% schon eine kleine Einstimmung auf die nächsten Biere. Ich empfand es etwas zwiespältig. Der Geschmack war sehr würzig. Vor allem im Abgang kamen dann Kräuteraromen heraus. Kräuter waren nicht wirklich zugesetzt. Das Aroma kommt von den Brauhefen. Das Bier empfand ich als trinkbar, aber schon gewöhnungsbedürftig. Es fielen Begriffe wie „Kräutersäckchen im Mund“ oder „Raumspray“.

Weiter ging es mit dem nächsten Bier. Ein sogenanntes Lambic-Bier namens Gueuze Giradin 1882, das mit einem Sektkorken verschlossen war. Diese Biere werden mit den wilden Hefen gebraut, die in der Brauerei vorkommen. Der Sektkorken ist nötig, da die Hefen auch noch während der Lagerung aktiv sind und das Bier dadurch sozusagen „lebt“, was man spätestens beim Öffnen bemerkt. Durch die wilden Hefen ändert sich der Geschmack ständig. Das Gueuze wird daher verschnitten, um einen in etwa gleichbleibenden Geschmack zu erreichen. Es enthält viel Säure und erinnerte eher an Essig, als an Bier. Diese Biere werden bei den Belgiern auch mit Fruchtaromen kombiniert und sind wohl auch die Ursache für den bei uns manchmal schlechten Ruf der belgischen Biere, vor allem dann, wenn es mit billigem künstlichen Fruchtaroma kombiniert wird. Ich hätte eine Kombination mit Früchten wohl eher akzeptieren können, wie dieses pure Bier. Für mich leider untrinkbar und eher als Grundlage für eine Salatvinaigrette geeignet.

Als nächstes stand ein double Indian Pale Ale (IPA) De Dochter van de Korenaar auf dem Programm. Ein typisch fruchtiges IPA, das nach Mango und Papaya schmeckte und für mich das zweitbeste Bier des Abends war.  Das Bier wies als double IPA den typisch hohen Alkohol- und Hopfengehalt auf. Schließlich wurden diese Biere früher für die englischen Truppen in Indien gebraut und konnten nur dadurch die lange Reise von England in ungekühlten Schiffsladeräumen überstehen, ohne zu verderben. Double IPA deswegen, da diese Biere doppelt so stark waren und eigentlich vor dem Trinken 1:1 mit Wasser verdünnt werden sollten. Man hat sehr bald erkannt, dass man auf das Verdünnen auch verzichten kann 😉

Das vorletzte Bier wurde wieder in einer Papierumhüllung angeboten. Es handelte sich um  ein Saison d´erpe mere aus Flandern. Auch hier wieder sehr viele Kräuter- und Nelkenaromen. Durchaus trinkbar, im Abgang jedoch etwas gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt mein Geschmack. Wäre wohl interessant gewesen, dazu einen kräftigen Käse zu probieren. Dazu hätte es passen können.

Zum Schluss dann das Highlight des Abends. Ein dunkles „Strong Belgian Ale“ mit 11% namens Cuvee van de Keizer Golden Carolus (Kaiser Karl der Große). Ein sehr schönes und süffiges dunkles Starkbier mit einem wunderbaren Karamellaroma. Dieses Bier kam so gut an, dass uns auf Nachfrage eine weitere Flasche Carolus ausgeschenkt wurde. Mein absoluter Favorit des Abends.

Diese Bierprobe war wieder ein tolles Erlebnis. Es werden unglaublich viele Informationen zu diesen Bieren und zu Bier allgemein vermittelt. Ich empfinde es als unglaublich, wie viel es abseits der bei uns bekannten Biersorten zu entdecken gibt. Mehr Informationen und Bilder gibt es auf bierprobes Webseite.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.