Lomographie – Was ist denn das?

Gestern habe ich mich zum ersten Mal in der Lomographie versucht.  Aber worum geht es dabei eigentlich?

PICT012Jeder kennt die Handyfotos bei Instagram und Co. bei denen man mehr oder weniger lustige Filter darüberlegen kann. Bestimmte Filter nennen sich oft „Lomo“ oder so ähnlich. Diese Filter simulieren das, was man mit einer Lomo-Kamera im Original hinbekommt. Eine solche Kamera habe ich mir angeschafft. Diese sind recht günstig, da es sich dabei um analoge Kameras handelt, die mit herkömmlichen Film bestückt werden.

Ich habe mir die Lomography Sprocket Rocket gekauft, die für herkömmlichen Kleinbildfilm (35mm) gedacht ist. Die Kamera hat eine billiges Weitwinkelobjektiv aus Plastik und nimmt Panoramaaufnahmen auf, die doppelt so breit sind, wie ein herkömmliches Kleinbild. Dabei wird der Film in der ganzen Breite belichtet, also die Perforation und Markierungen des Films mit in das Bild mit einbezogen. (Bei meinen Probeaufnahmen habe ich diese Merkmale aber nicht mit gescannt.) Die Aufnahmen weisen durch die Linse eine starke Vignettierung auf. Das Besondere der Bilder sind auch die Farben, die nicht nur aufgrund der Linse einzigartig sind, sondern auch durch die Verwendung von abgelaufenen Film. All das wird eigentlich in der herkömmlichen Fotografie vermieden, um natürliche Aufnahmen zu erhalten. Bei der Lomographie sind diese Effekte sogar erwünscht.

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Ich hatte schon vergessen, wie schön das analoge Fotografieren ist. Keine Digitalkamera mit ewig vielen Einstellungsmöglichkeiten und Aufnahmeprogrammen. Bei der Sprocket Rocket muss man sämtliche Einstellungen von Hand vornehmen. Allerdings gibt es da auch nicht viel einzustellen. Man hat die Wahl zwischen zwei Blenden (sonnig und bewölkt) und zwischen zwei Fokusmöglichkeiten (0,6 bis 1 Meter und 1 Meter bis unendlich). Belichtungszeiten gibt es nur 1/125 und Dauer (N bzw. B). Der Film wird von Hand weitergedreht. Eine Stromversorgung ist nicht nötig. Man muss nur daran denken, die Objektivkappe abzunehmen. Der Rest ist nur draufhalten und den Auslöser drücken.

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Das einzelne Bild bekommt durch die analoge Fotografie wieder einen ganz anderen Stellenwert. Jede Aufnahme muss wohl überlegt sein. Ein Kleinbildfilm reicht für 36 Aufnahmen. Da die Aufnahmen der Sprocket Rocket doppelt so breit sind, sind es lediglich 18 Aufnahmen. Nach jeder Belichtung muss der Film von Hand sorgfältig weitergedreht werden, es sei denn man möchte gezielt Doppelbelichtungen machen. Dies geht mit der Sprocket Rocket daher auch ganz einfach.

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Den analogen Film kann man dann in einem Fotolabor entwickeln lassen. Oft bieten auch Elektronik- und Supermärkte noch diesen Service an. Man muss bei der Sprocket Rocket nur darauf achten, dass die Negative nicht geschnitten werden, da dies aufgrund der breiteren Aufnahmen nicht passen würde. Ich habe meine Filme bei Flash Foto in München entwickeln lassen. Die Negative habe ich dann gescannt (ohne die Perforierung). Ich würde das aber wohl künftig auch vom Labor machen lassen.

Es hat unheimlichen Spaß gemacht, durch die Stadt zu streifen und Ausschau nach besonderen Motiven zu halten. Da man das Ergebnis nicht sofort sehen kann, bleibt auch immer eine gewisse Spannung erhalten.

Eine schöne und interessante Abwechslung zur Digitalfotografie. Ich hätte nicht gedacht, dass es heutzutage noch so viele Anhänger der Analogfotografie gibt. Und das alles nur mit  einer eigentlich billigen Kamera, die ursprünglich in der Sowjetunion verkauft wurde und heute in China nachgebaut wird.

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Siehe auch hier bei Lomography.

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