Von der Valepp auf das Hintere Sonnwendjoch

Zum Abschluss meines Urlaubs wollte ich nochmals eine große Bergtour unternehmen. Daher fiel die Wahl auf eine umfangreiche Wanderung von der Valepp aus auf das Hintere Sonnwendjoch. Die Wanderung führt auf einer nur wenig begangenen Route im Spitzingseegebiet über die Grenze nach Tirol auf das Hintere Sonnwendjoch und wieder zurück. In dieser Gegend wurde übrigens der Bär Bruno erschossen. Heute hat der Wetterbericht zunächst noch Regen, dann jedoch Wolken und Sonne im Wechsel gemeldet. Deshalb habe ich mich für den heutigen Tag entschieden.

Von Rottach-Egern kommend folgt man den Wegweisern „Skigebiet Spitzingsee“. Man fährt auf einer gut gepflegten Mautstraße bis zu den Parkplätzen beim Forsthaus Valepp. Die Maut soll vier Euro betragen; die Mautstelle war jedoch heute morgen noch nicht geöffnet, dadurch konnte ich ohne Maut passieren. Die Straße selbst ist ziemlich eng und kurvig und führt mit mäßiger Steigung zum Forsthaus. Sehr unangenehm ist, dass auch eine Buslinie dorthin fährt. Man muss also immer damit rechnen, dass ein Bus entgegenkommt und man eine Ausweichstelle suchen muss, denn an den schmalen Stellen kommt man nicht aneinander vorbei. Bei der Hinfahrt hatte ich das Glück, noch keinen Bus zu sehen.

Vom Parkplatz am Forsthaus geht es dann auf einer nur wenig ansteigenden Schotterstraße an der Ochsenalm und einer kleinen Kapelle vorbei. An der Abzweigung nimmt man den rechten Weg in Richtung Erzherzog-Johann-Klause. Es geht weiter bis zur Abzweigung am Enzenbach, der heute jedoch kein Wasser führte. An dieser Stelle geht es auf einen schmalen und stark ansteigenden Pfad, der mit „Hint. Sonnwendjoch“ ausgeschildert ist. Am Beginn des Pfads überschreitete ich unbemerkt die Grenze zu Österreich und war in Tirol. Der Pfad windet sich steil in Spitzkehren im Wald bis zum Bärenjoch hinauf. Der Weg ist ziemlich schmal und man muss ständig auf Wurzeln und Felsen achten. Stolpern sollte man hier vermeiden, denn das Gelände fällt neben dem Weg sofort steil ab. Ich hätte mir für diese Strecke auch Gamaschen gewünscht, denn das nasse Gras hat meine Hosenbeine stark durchnässt.

Auf dem Bärenjoch - rechts ist der schmale Pfad zu sehen
Auf dem Bärenjoch – rechts unten ist der schmale Pfad zu erkennen. Die Aufnahme entstand bei Sonnenschein auf dem Rückweg. Beim Hinweg waren hier noch dichte Wolken.

Nach zwei Stunden Gehzeit querte ich zum Westgrat des Bärenjochs hinüber. An dieser Stelle kam dann endlich etwas Sonne durch die Wolken und zauberte eine ganz besondere Stimmung.

Querung zum Westgrad des Bärenjochs
Querung zum Westgrad des Bärenjochs

Vom Bärenjoch geht es auf einem Pfad über Almwiesen bis zur Bärenbadalm. Dort trifft man auf eine Schotterstraße, die später dann wieder in einen schmalen und stellenweise sehr matschigen Pfad übergeht und über den Südhang zum Grat des Hinteren Sonnwendjochs weiterführt. Der Weg zum Gipfel ist dann nochmals ziemlich steil und fordernd. Leider musste ich jedoch etwa 25 Meter unter dem Gipfelkreuz nach dreieinhalb Stunden Gehzeit umkehren, da immer mehr Wolken aufzogen und das Sonnwendjoch einhüllten. Der Weg über die feuchten Felsen bis zum Gipfelkreuz war mir zu gefährlich.

Unterhalb des Gipfelkreuzes am Hinteren Sonnwendjoch
Unterhalb des Gipfelkreuzes am Hinteren Sonnwendjoch

Der Abstieg erfolgte durch dichte Wolken auf dem Aufstiegsweg. Erst weiter unten war die Luft wieder klar und es kam immer wieder die Sonne durch die Wolken. An einem geschützten Platz habe ich dann endlich die Gipfelbrotzeit auspacken können.

Die Bärenbadalm habe ich nach viereinhalb Stunden im Sonnenschein passiert. Dort hat dann eine Kuhherde den etwa 20 cm breiten Pfad blockiert. Die meisten Kühe haben nach einigen skeptischen Blicken von selbst Platz gemacht. Bis auf eine Kuh, die absolut nicht weitergehen wollte und einfach stehenblieb und mich interessiert musterte. Also musste ich etwas oberhalb des Weges am Hang entlang vorbeigehen, wobei ich jedoch ausgiebig beschnuppert wurde. Auch andere Wanderer hinter mir haben sich mit der zutraulichen Kuh angeregt unterhalten.

Der schmale Pfad vom Bärenjoch bis zum Entenbach hinunter war zwar einfacher als beim Aufstieg, jedoch fand ich auch jetzt wieder den direkt daneben stark abfallenden Hang als fordernd. Vom Entenbach ging es dann ohne weitere Schwierigkeiten bis zum Forsthaus zurück, das ich nach sieben Stunden Gehzeit erreicht habe.

Die Rückfahrt über die Mautstraße war dann wieder aufregend, denn jetzt kam mir tatsächlich der Bus entgegen. Glücklicherweise befand ich mich gerade an einer breiten Ausweichstelle.

Die Tour von war mit ihren 16 Kilometern und der siebenstündigen Gehzeit  sehr anstrengend und fordernd. Aufgrund der Wetteraussichten waren außer im Bereich der Bärenbadalm keine anderen Wanderer unterwegs. Dies ist für das Hintere Sonnwendjoch absolut unüblich, da man sich dort beim Gipfelanstieg normalerweise in die Schlange einreihen muss. Der gewählte Weg über die Valepp wird jedoch aufgrund der Länge auch an schönen Tagen kaum begangen. Wer es kürzer und weniger anstrengend möchte, fährt mit dem Auto vom Ursprungtal über die Mautstraße zur Ackernalm und geht von dort in eineinhalb Stunden zum Gipfel.

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