Withings Aura

P1000127Ich habe von Withings bereits die Waage und das Blutdruckmessgerät und bin mit beiden sehr zufrieden. Diese Geräte funktionieren einwandfrei und übertragen die Messdaten in die dazugehörige App, wo ich sie übersichtlich abrufen und auch meiner Ärztin zeigen kann. Als Withings das Schlafsystem Aura ankündigte, war ich daher sehr daran interessiert.

Das System besteht aus einer Einheit, die neben dem Bett auf dem Nachttisch steht und eine Uhr samt Wecker beinhaltet. Darüber hinaus dient sie auch als Nachttischlampe mit weißem Licht und führt ein Einschlafprogramm mit Meeresrauschen und orangem Licht, welches langsam nach rot wechselt und dann wie das Meeresrauschen nach etwa 20 Minuten langsam ausgeblendet wird. Als Aufwachprogramm leuchtet zunächst dunkelblaues Licht, das langsam nach Hellblau wechselt. Dieser Prozess wird von leisen und immer lauter werdenden Tönen begleitet, die das Aufwachen unterstützen sollen.

Als zweite Komponente des Schlafsystems ist ein Sensor dabei, der direkt auf den Lattenrost unter die Matratze gelegt wird und der das Schlafverhalten aufzeichnen soll. Die Daten lassen sich dann in der Withings-App abrufen. In die Programme sind laut Withings wissenschaftliche Erkenntnisse eingeflossen.

Das klang für mich eigentlich ganz interessant und ich habe mir daher das mit fast 300 EUR nicht ganz billige Schlafsystem gegönnt. Die Ernüchterung kam allerdings recht schnell. Ausgepackt und aufgestellt war das System sofort. Es ist eine Kurzanleitung dabei, in der alles beschrieben ist. Für die Installation benötigt man ein iphone mit der Withings-App, die einem genau sagt, was man tun soll. Die Wifi-Verbindung wird auf Nachfrage vom Telefon auf das Schlafsystem übertragen und muss nicht eingetippt werden. Es wurde automatisch eine neue Firmware heruntergeladen und installiert. Beim Anschließen des Schlafsensors pumpte sich dieser automatisch auf, denn es handelt sich um eine Art Luftkissen mit daran angeschlossener Pumpe und Elektronik für die Auswertung der Bewegungen. Hier begannen dann die Schwierigkeiten.

Die App sagte mir immer, ich solle den Schlafsensor anschließen. Auch wenn ich das tat, passierte nichts mehr. Egal ob der Sensor beim Einrichten des Systems bereits angeschlossen war oder ob man ihn erst nach Aufforderung durch die App anschloss, der Sensor wurde nie erkannt. An der Nachttischeinheit befinden sich drei USB-Anschlüsse (zwei links und einer rechts vom Netzteilkabel). Nur die beiden linken sind für Schlafsensoren, am rechten USB-Anschluss kann man beispielsweise sein Telefon laden. Auch nach dem hundertsten Versuch blieb die Installation an der Stelle hängen, an der man den Schlafsensor anschließen sollte. Wurde der Installationsvorgang abgebrochen, tauchte nur die Nachttischeinheit auf und funktionierte auch soweit. Der Schlafsensor fehlte jedoch und damit auch die Aufzeichnung der Schlafdaten.

Auch ohne Aufzeichnung konnte ich das Schlafsystem nutzen. Ich habe daher in der App eine Weckzeit eingestellt und habe am Abend das Schlafprogramm gestartet. Die Bedienung funktioniert über Berührungen der Nachttischeinheit. Es schaltete sich das orange Licht ein und Meeresrauschen ertönte. Ein Problem war dabei aber, dass die Lautstärke der Aura in der Voreinstellung ziemlich laut ist. Ich habe daher durch Berührung die Lautstärke um 35% heruntergeregelt. Diese Einstellung merkt sich das Gerät.  Ansonsten funktioniert es recht gut. Das Licht wechselt langsam nach dunkelrot und wird dann ganz sanft ausgeblendet. Das Meeresrauschen wird immer dezenter, leiser und wird ebenfalls sanft gefadet. Der ganze Prozess dauert etwa 20 Minuten und führt bei mir tatsächlich dazu, dass ich entspannt einschlafen kann. Während der Nacht ist  Aura dann ruhig. Man kann die Uhrzeit ablesen. Die Anzeige wird sehr schön je nach Umgebungshelligkeit heruntergeregelt, so dass hier nichts blendet.

P1000128Das Aufwachen war jedoch nicht so besonders angenehm. Das Aufwachprogramm fing wohl sanft an, jedoch hat sich die Lautstärkeeinstellung des Schlafprogramms nicht auf das Aufwachprogramm ausgewirkt. Das bedeutet, dass dieses zwar leise anfing, jedoch aufgrund der Lautstärkeeinstellung 100% recht schnell zu laut wurde und mich daher bereits 20-30 Minuten vor der eigentlichen Weckzeit doch eher ziemlich unsanft mit blauem Licht und „Pling – Plong“ aus dem Schlaf riss. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Das Einschlafen funktioniert tatsächlich sehr schön mit der Aura, das Aufwachprogramm habe ich seitdem nicht mehr genutzt. Es fehlt die Möglichkeit die Helligkeit, die Lautstärke und evtl. auch die Dauer der Programme in der App einzustellen. Dies soll allerdings laut Hersteller in Kürze nachgeliefert werden. Im Großen und Ganzen bin ich mit der Uhr aber nicht zufrieden und werde sie wohl zurückgeben. Es sind einige Punkte, die mich stören und die letztendlich nicht mehr viel vom Vorteil des entspannten Einschlafens übrig lassen.

P1000129Der Schlafsensor funktioniert immer noch nicht. Der Support braucht jeweils immer fast eine Woche um zu antworten. Teilweise bekomme ich mehrfach dieselbe Standardantwort, obwohl ich bereits geschrieben habe, dass die mitgeteilte Lösung nicht funktioniert hat. Das System habe ich bereits mehrfach in der App wieder getrennt, durch fünfmaliges Ein- und Ausstecken zurückgesetzt und neu installiert. Der Schlafsensor pumpt sich auf, wird jedoch nie erkannt. Manchmal muss man den Support auch nach einiger Zeit an die Anfrage erinnern und erhält dann zwar eine freundliche Entschuldigung, jedoch keine funktionierende Lösung. Mein Vorschlag, mir einen anderen Schlafsensor zu schicken, wurde bisher abgelehnt.

Die Gestensteuerung durch Berührungen der Nachttischeinheit funktioniert nicht immer zuverlässig. Gerade wenn man die Lautstärke herunterregeln, das Licht dimmen oder das Schlafprogramm einschalten möchte, reagiert die Nachttischeinheit nicht immer. Da es je nach Geste nicht unbedingt eine Rückmeldung gibt, kann man nicht gleich erkennen, ob die Aura beispielsweise den Einschaltbefehl für das Schlafprogramm erkannt hat, zumal das Schlafprogramm erst mit Verzögerung startet. Also macht man mehrmals diese Geste, obwohl evtl. es schon beim ersten Mal gereicht hätte.

Bei der Weckzeit lässt sich nicht nach Wochentagen unterscheiden. Es kann nur eine Uhrzeit angegeben werden und der Alarm ein- bzw. ausgeschaltet werden. Das bedeutet, dass man z. B. am Wochenende daran denken muss, den Alarm rechtzeitig vorher aus- und wieder einzuschalten. Dies geht über eine Geste zwar ganz schnell. Der Status des Alarms ist über ein Weckersymbol auch auf den ersten Blick erkennbar. Hier hätte ich mir jedoch gewünscht, dass man Weckzeiten auch für bestimmte Wochentage in der App festlegen kann.

Das Display der Uhr ist im unteren Bereich der Nachttischeinheit (beim Lautsprecher) angeordnet. Da bei mir der Nachttisch etwas tiefer als das Bett ist, muss ich mich zum Ablesen der Uhrzeit immer etwas aufrichten und über die Bettkante blicken. Besonders nachts ist sehr unpraktisch, dass ein einfacher Seitenblick nicht reicht.

Der Schlafsensor in seiner Stoffhülle ist auch etwas zu kurz geraten. Eigentlich soll die Lasche mit der Pumpe und der Elektronik seitlich heraushängen. Sobald man jedoch eine Matratze hat, die breiter als 90 cm ist, bekommt man Probleme, weil das Luftkissen des Sensors dann bei dieser Anordnung nicht direkt unter dem Oberkörper des Schlafenden zu liegen kommt und daher falsch aufzeichnet. Außerdem steht bei mir diese Lasche aufgrund der Bauart des Bettrahmens seitlich ab und ist eigentlich eher im Weg. Vor allem liegt dadurch auch das graue Verbindungskabel zur Nachttischeinheit unschön frei. Ordnet man das Luftkissen des Schlafsensors direkt unter dem Oberkörper des Schläfers an, liegt bei mir der komplette Sensor, einschließlich des etwas dickeren Plastikgehäuses für Pumpe und Elektronik, unter der Matratze. Aufgrund der Matratze ist das Gehäuse zwar nicht wirklich zu spüren, ob dennoch die Messfunktion gegeben ist, kann ich ja leider nicht feststellen.

Alles in Allem wurde das Aura-Schlafsystem meiner Meinung nach zu früh in einem unausgereiften Zustand an die Kunden ausgeliefert. Der Käufer agiert hier als Betatester. Einige Funktionen und Einstellungen sind (noch) nicht in der App enthalten. Der Support ist wohl überlastet und eher mangelhaft. Bei diesen Einschränkungen wird aus dem Aura-System nur eine überteuerte, dabei jedoch billig aussehende, aus weißem Plastik bestehende und seltsam geformte Nachttischlampe mit Uhr, die bei mir nicht richtig funktioniert und daher für mich von zweifelhaftem Nutzen ist. Fast 300 EUR ist mir das System in dieser Form nicht wirklich wert und aus diesem Grund werde ich es auch wieder in den Laden zurückbringen. Eigentlich schade, weil die Idee durchaus Potential hätte.

Update: Am 11. September 2014 wurde die App aktualisiert. Nach Angaben von Withings ist es jetzt möglich die Lautstärke, Helligkeit und eine individuelle Dauer in der App einzustellen. Ich konnte diese Änderungen jedoch nicht selbst testen. Der Schlafsensor wird auch mit dieser Version nicht erkannt.

Update 2: Withings hat jetzt zugestimmt, das System auszutauschen. Das ganze System ist jetzt unterwegs. Dann werde ich Withings noch einmal eine Chance geben.

Eine Antwort auf „Withings Aura“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.