Gesichter Afghanistans im Kunstfoyer der VKB

IMG_0873Die Ausstellung „Gesichter Afghanistans“ – Fotografien von Yvonne von Schweinitz im Kunstfoyer der Versicherungskammer kann man bis zum 18. Januar 2015 besuchen. Der Eintritt ist wie immer kostenlos.

Yvonne von Schweinitz reiste im Jahr 1953 nach Afghanistan und fotografierte dort fleißig Menschen verschiedener Volksgruppen und fing die Lebensbedingungen zur damaligen Zeit ein. So kann man zum Beispiel auch die von den Taliban im Jahr 2001 zerstörten Buddhastatuen betrachten. Die Ausstellung selbst befasst sich hauptsächlich natürlich mit dem Land zum Zeitpunkt der Reise (also das Jahr 1953). Es wird auch immer wieder auf die Geschichte seit den 1880er Jahren mit den anglo-afghanischen Kriegen verwiesen.

Die Brücke in die Moderne wird anhand von sogenannten „War Rugs“ geschlagen, also Knüpfteppiche, die die Kampfhandlungen der Sowjetunion in Afghanistan zeigen. Die Teppiche zeigen als Muster tatsächlich Panzer und Hubschrauber, die Häuser und Städte angreifen. Die Teppiche stammen aus dem Museum Fünf Kontinente (vormals Völkerkundemuseum). Ganz kurz wird auch die Talibanherrschaft dargestellt. Die Ausstellung bleibt jedoch Anfang der 2000er Jahre stehen. Die weitere Entwicklung wird nur ganz kurz im Flyer und im Einführungstext zur Ausstellung angerissen.

Ich hatte den Sinn der Ausstellung so verstanden, dass man zeigen wollte, dass Afghanistan mehr als Talibanherrschaft und Bürgerkrieg zu bieten hat. Allerdings zeigen die Fotos von 1953 dann doch Männer auf Kamelen, vollverschleierte Frauen und Nomaden. Lediglich in den Wochenschau-Filmen der 1950er bis 1970er Jahre wird der Aufbruch in die Moderne thematisiert. So werden in einem Film der afghanischen Wochenschau über die Wiedereröffnung der Universität Kabul angehende Ärztinnen gezeigt, die ein moderneres Weltbild vermitteln, das jedoch durch die Talibanherrschaft vollständig zunichte gemacht wurde.IMG_0871

Beim Verlassen der Ausstellung hat man das bedrückende Gefühl, dass es wohl noch lange dauert, bis in dieses Land Normalität einkehrt.

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