Das Rätsel der Schleuse im Tal von Optevoz

In der Neuen Pinakothek ist noch bis 9. März eine Ausstellung über das Gemälde „Schleuse im Tal von Optevoz“ zu sehen. Die Geschichte des Gemäldes ist äußerst spannend. Es wurde 1909 von der Pinakothek als Werk Gustave Courbets erworben. Darauf ist ein Schleusentor inmitten einer Felslandschaft zu sehen, die vierzig Kilometer östlich von Lyon im Tal des Amby bei Optevoz liegt.Die Schleuse im Tal von Optevoz

Etwa um 1990 herum kamen erste Zweifel an der Echtheit des Gemäldes auf. In Infrarotaufnahmen war ein darunterliegendes Gemälde zu erkennen, dass eine andere Landschaft ohne Schleusentor zeigte. Diese Szenerie wurde übermalt. Außerdem war außer der Signatur Courbets nur im Infraroten eine Signatur von François Daubigny zu erkennen. Das Gemälde wurde außerdem noch mehrfach im Format geändert. Dazu wurde brutal am linken Rand ein Stück abgeschnitten und es wurde auf andere Rahmen genagelt, wobei die Nagellöcher retuschiert und der gesamte Himmel ziemlich uninspiriert und düster übermalt wurde. Nach meiner Meinung sieht man anhand der Positionierung des Hauptmotivs recht deutlich, dass auf der linken Seite etwas fehlt.

Außerdem hat man die Ränder mit Streifen von Zeitungspapier verstärkt. Dabei handelte es sich um eine Pariser Tageszeitung mit Börsenkursen. In den lesbaren Stellen sind Unternehmen zu erkennen, die erst ab 1880 bzw. 1890 an der Börse gehandelt wurden. Da Courbet bereits 1877 starb, wurde klar, dass mit diesem Gemälde etwas nicht stimmen kann. Jemand hat ein Gemälde eines anderen Malers lange nach Courbets Tod „bearbeitet“ und es als sein Werk ausgegeben bzw. wurde wohl ein echter Daubigny in einen falschen Courbet verwandelt, um damit einen höheren Preis zu erzielen. Das Gemälde wurde von der Pinakothek also unter dem Namen eines anderen Künstlers erworben.

Ab 2011 wurde das Gemälde restauriert und auch die düstere Übermalung des Himmels entfernt. Dabei zeigte sich auch, dass das Bild wohl viele Jahre in einem Wohnhaus hing da die Bildoberfläche mit Ruß und Nikotin verschmutzt war. Das Werk zeigt sich jetzt also wieder mit einem strahlend blauen Himmel und einer sachgerechten Retusche der Nagellöcher.

Raum 11 der Neuen Pinakothek

Das restaurierte Gemälde wird im Raum 11 der Neuen Pinakothek mit umfangreichen Erläuterungen des Werdegangs und der Umarbeitungen gezeigt. Daneben sind weitere Gemälde von Daubigny zu sehen, welche teilweise als Leihgabe aus französischen Sammlungen vorübergehend den Weg in die Pinakothek gefunden haben.

Eine spannende und wechselhafte Geschichte eines Gemäldes. DaEIngang im ersten Stockzu kann ein Ausstellungskatalog für 16,80 EUR im Museumsshop erworben werden. Der Eintritt in die Ausstellung kostet 1 EUR (Sonntagseintritt).

Zum Ausstellungsraum gelangt man über die Treppe hinter den Kassen. Der Raum liegt im ersten Stock auf der linken Seite und ist durch die Wegweiser leicht zu finden.

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