Withings Aura – Teil 2

Nachdem meine erste Rezension des Schlafsystems Aura von Withings im September 2014 ja sehr negativ ausgefallen ist, habe ich dem Ganzen noch einmal eine Chance gegeben. Zunächst wollte ja der Schlafsensor partout nicht erkannt werden. Das komplette System wurde nach etwas Hin- und Her schließlich doch von Withings getauscht. Nach einigen Wochen hatte ich direkt aus Frankreich einen Karton erhalten und habe die Aura jetzt seit einigen Monaten mit funktionierendem Schlafsensor im Einsatz.

Withings Aura - NachttischeinheitIn meiner Besprechung vom September 2014 hatte ich viele Kritikpunkte gefunden. Einige wurden auch tatsächlich behoben. Die App erhält regelmäßig Updates und auch die Firmware des Systems scheint man regelmäßig zu aktualisieren. Letzteres funktioniert automatisch im Hintergrund und man bekommt davon eigentlich nur dann etwas mit, wenn plötzlich neue Funktionen auftauchen. (Aufzeichnung von Ruhepuls, Helligkeit und Temperatur.) Davon aber später mehr. Zunächst empfehle ich, den ursprünglichen Blogartikel (Link siehe oben) zu lesen, da ich hier nur auf die behobenen und noch bestehenden Probleme, die es leider gibt, eingehe.

Ein wesentlicher Kritikpunkt war die Weckfunktion, mit welcher ich damals nicht wirklich etwas anfangen konnte. Hier hat man massiv nachgebessert. Die Weckzeit lässt sich nach wie vor in der App festlegen. Leider ist es immer noch nicht möglich, dabei bestimmte Wochentage anzugeben. Man darf also nicht vergessen, die Weckfunktion aus- bzw. wieder einzuschalten. Dies ist auch ohne App mit einer Geste möglich. Zumindest dann, wenn man die Weckzeit nicht verändern möchte. Neu hinzugekommen ist, dass man den Verlauf der Schlaf- und Aufweckphase jetzt genauer definieren kann. In der App lassen sich für beide Phasen verschiedene Audiotracks einstellen, wobei mir die Voreinstellungen immer noch am besten gefallen. Die Lautstärke lässt sich ebenfalls getrennt für Einschlaf- und Weckvorgang voreinstellen. Eine große Verbesserung besteht darin, dass man jetzt beim Weckvorgang genau festlegen kann, wieviele Minuten vorher die Tischeinheit mit dem Licht- und Tonprogramm beginnt. Man wird also je nach Voreinstellung mit mehr oder weniger langsamer Steigerung geweckt. Das bedeutet, dass die Aura den Schlafenden nicht mehr 20 Minuten vor dem eigentlichen Wecken bereits mit hellem Licht und lautem „Pling-Plong“ aus dem Schlaf reißt. Ich habe es beispielsweise so eingestellt, dass die Aura damit erst eine Minute vor dem Weckzeitpunkt beginnt. Die Lautstärke ist ziemlich niedrig eingestellt. Eigentlich reicht mir das blaue Licht. Dadurch ist der Aufwachvorgang tatsächlich angenehmer. Das Einschlafprogramm nutze ich täglich in voller Länge. Das beruhigende Meeresrauschen hilft mir durchaus beim Einschlafen. Hier hat also Withings ziemlich viel verbessert und das sind auch tatsächlich die für mich sinnvollen Einsätze.

Die Anzeige der Uhrzeit könnte immer noch etwas größer sein. Vor allem müsste sie meiner Meinung nach etwas höher positioniert werden. Das sollte beim Nachfolgemodell geändert werden, da dadurch die Erkennbarkeit erheblich verbessert werden würde.

Neu ist, dass die Aura jetzt auch die Temperatur und die Helligkeit im Schlafzimmer erfasst. Dies wurde durch ein Update der Firmware nachgeliefert. Inwiefern diese Daten relevant sind, ist wohl im Einzelfall zu entscheiden. Da bei mir das Schlafzimmer gut gedämmt ist und dort eigentlich nicht geheizt wird, halten sich die Temperaturschwankungen in engen Grenzen. Aufgrund der Jalousien ist es bei mir auch einheitlich dunkel. Ich denke jedoch, dass es durchaus auch Fälle geben kann, in denen diese Aufzeichnungen nützlich sind.

Der Schlafsensor wird erkannt und funktioniert jetzt beim Austauschmodell endlich. Es gibt nun auch offiziell von Withings die Anweisung, dass der Sensor auch komplett unter der Matratze verschwinden kann. Anfangs sollte ja die Lasche mit der Steuereinheit und dem Kabel seitlich hervorschauen, was bei einer breiten Matratze dazu führte, dass der Sensor nicht direkt unter dem Schläfer liegt. Dadurch sind auch die Kabel nicht mehr zu sehen. Allerdings bedeutet das auch, dass man auf dem doch etwas dicken Kästchen mit der Steuerelektronik und der Pumpe liegt. Aufgrund der Dicke der Matratze merke ich davon zwar nichts, ob das jedoch so gut für den Sensor, die Matratze oder das Bett ist, weiß ich nicht. Der Schlafsensor ist ein Luftkissen und soll die Schlafqualität aufzeichnen.

Leider kommt hier schon der größte Schwachpunkt des Systems. Die aufgezeichneten Daten sind leider nicht immer (oder genauer gesagt wohl in den wenigsten Nächten) plausibel. Das System unterscheidet zwischen wach, leichter Schlaf, tiefer Schlaf und REM-Schlaf. Zusätzlich wird der Ruhepuls aufgezeichnet. Der Ruhepuls ist auch das Einzige, das ich nachvollziehen kann. Ansonsten birgt die Grafik über die Schlafphasen am nächsten Tag in vielen Fällen eine Überraschung. Habe ich das Gefühl, ich hätte wunderbar durchgeschlafen, präsentiert das System beispielsweise eine oder mehrere Wachphasen von bis zu einer Stunde während der Nacht. Jetzt könnte es natürlich sein, dass ich in diesen Phasen tatsächlich sehr unruhig gewesen bin, sodass die Aura diese als „wach“ erkannt hat. (Zu Schlafwandeln neige ich eigentlich nicht.) In anderen Fällen wird manchmal auch noch für eine Stunde nach dem Aufstehen Tiefschlaf oder leichter Schlaf angezeigt. Ich hatte schon Situationen, in denen ich angeblich 24 Stunden durchgeschlafen habe. Eine Ursache für diese Fehldaten lässt sich nicht erkennen. Ich habe bereits mehrmals versucht, den Schlafsensor anders zu positionieren. Verbesserungen haben sich keine ergeben. Aussagekräftige Daten sehen anders aus. Withings bietet über die Support-Webseite die Möglichkeit, Daten über unplausible Schlafaufzeichnungen zur Verbesserung der Schlaferkennung zu übersenden. Aber wer möchte sich schon ständig die Arbeit machen und die Daten übermitteln.

Die Qualität der Aufzeichnungen ist aber leider noch nicht das einzige Problem. Es vergeht kaum eine Woche, in der die Übertragung der Schlafdaten an die App problemlos nach jeder Nacht funktionert. Die ersten Wochen war alles noch in Ordnung. Etwa 10 – 15 Minuten nach dem Aufstehen, waren die Daten zuverlässig über die App abrufbar. Aber jetzt passiert es spätestens nach 7 bis 10 Tagen, dass von einem Tag auf den anderen plötzlich keine Schlafdaten mehr in der App ankommen. Ein genaues Muster für diese Ausfälle ist nicht erkennbar. Ich trenne dann die Nachttischeinheit und lösche sie aus meinem Withings-Konto. Nach einem Neuverbinden werden die fehlenden Daten (die offenbar in der Nachttischeinheit gespeichert werden) dann nach einiger Zeit abgerufen und in der App dargestellt. Es kann auch vorkommen, dass man diese Prozedur mehrmals durchführen muss, bis es klappt. Auf keinen Fall darf man die Nachttischeinheit vom Strom trennen und einen Neustart durchführen, da sonst die gesammelten Daten verloren sind. Diese dauernden Ausfälle sind ärgerlich.

Diese ganzen Punkte bringen mich auch zu meinem Fazit. Der Nutzen des Aura-Schlafsystems steht für mich leider in keinem Verhältnis zum hohen Anschaffungspreis. Dafür bietet es mir zu wenige sinnvoll nutzbare Funktionen. Wäre statt des weißen Kunststoffs wenigstens ein hochwertiges Gehäuse vorhanden, könnte man alles als teuren Wecker mit Einschlaf- und Aufwachhilfe betrachten. Die interessante und kreative Interpretation der Schlafdaten macht die Aufzeichnung dieser Werte für mich nutzlos. Was soll ich dadurch erkennen, wenn nicht einmal sicher ist, wieviel Stunden ich wirklich geschlafen habe? Die ständigen Übertragungsprobleme sorgen darüber hinaus noch für Ärger. Das System hat zwar durchaus Potential, ist aber auch jetzt noch zu unausgereift. Vielleicht wird es beim Nachfolgemodell einmal besser. Im Augenblick wünschte ich mir, ich hätte die Finger davon gelassen. Eigentlich schade!

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