3. Bierprobe im Hopfenmuseum Wolnzach

IMG_0016Am letzten Samstag hat die dritte Bierprobe im Hopfenmuseum Wolnzach stattgefunden. Dieses Mal standen britische Biere auf der Tagesordnung.

Im Vorfeld hatte ich mir ausgemalt, dass man sich hier bestimmt auf Einiges gefasst machen dürfte. Es wird ja so viel von britischem Bier erzählt, z. B. von warmen, schalem Bier oder dass es bestimmt sehr bittere Biere zu kosten gäbe.

Im Laufe der Bierprobe konnte ich mich davon überzeugen, dass diese Vorurteile überhaupt nicht zutreffen. Jedoch war schon zu erkennen, woher diese Vorurteile kommen. Die vorgestellten Biere waren im Gegenteil alle sehr gut und es gab eigentlich keinerlei Überraschungen. Man kann schon fast davon sprechen, dass es für jemanden, der regelmäßig verschiedene Biere der Craftbrauer trinkt, langweilig war. So weit möchte ich dann aber doch nicht gehen. Die Ausführungen und Erklärungen zu den einzelnen Bieren und zu der Bierkultur in Großbritannien waren sehr informativ und interessant.

Großbritannien hat eine sehr alte Bierkultur. Bei den vorgestellten Biersorten handelt es sich um wirklich alte Biersorten, die bereits vor langer Zeit schon so gebraut wurden. Im Gegensatz zu den deutschen Biersorten, die es aktuell bei uns gibt, sind diese auch tatsächlich alt. Da kann man sich hierzulande noch so sehr auf das alte Reinheitsgebot berufen.

In Großbritannien ist es aber aktuell ähnlich wie bei uns. Es gibt nur wenige Großbrauereien, die als Industriebier ein langweiliges Lagerbier herstellen, das man nicht trinken möchte. Welches aber eigentlich auch überhaupt nicht der britischen Bierkultur entspricht. Zum Glück gibt es auch dort einige Brauereien, die die alten obergärigen Sorten wiederentdeckt haben.

Die Bierprobe begann mit einem Bitter, dem “Eden Best” der Eden-Brauerei in Cumbria. Ein Bitter ist im Großen und Ganzen ein besonderes Pale Ale. Vom Begriff “Bitter” darf man sich aber nicht täuschen lassen. Bitter heißt nicht, dass es sich um ein “bitteres” Bier handelt. Es war bernsteinfarben und schmeckte würzig und leicht süß. Mit 4,1 % hatte es einen geringen Alkoholgehalt. Das “Eden Best” ist ein sogenanntes “Real Ale”, also ein Bier, dass im Gegensatz zu den Industriebieren aus lokalen Zutaten auf traditionelle Weise hergestellt wird. Die Kohlensäure entsteht bei diesen Real Ales nur durch die Zweitgärung im Fass, bei der man nochmals frischen Hopfen hinzufügt. Im Pub wird dieses Bier mit der typischen Handpumpe aus dem Fass gezapft und hat dabei auch tatsächlich weniger Kohlensäure und Schaum, als wir es so gewöhnt sind. Es ist aber weit davon entfernt, schal zu sein. Ich kann dieses Vorurteil nicht bestätigen. Es war ein guter Auftakt und hat wunderbar geschmeckt.

Das nächste Bier war ein Old Ale, das “Buzzard Dark Ale” der Cotleigh Brewery in Somerset. Es handelt sich um ein dunkleres, malziges Bier, bei dem man das geröstete Malz sehr gut herausschmecken konnte. Auch hier war der Alkoholgehalt nicht wesentlich höher als beim vorherigen Bier.

Weiter ging es mit einem IPA. Wer hier jedoch die typischen fruchtigen Aromen der speziellen amerikanischen Hopfensorten erwartete, wurde enttäuscht. Diese Aromen sind eine Erfindung der amerikanischen Craftbrauer, die auf extreme Geschmacksrichtungen setzen. Diese haben die in der britischen Biersorte ursprünglich eigentlich nicht enthaltenen Aromen weiterentwickelt. Der britische Hopfen liefert nicht diesen Geschmack. Außerdem wurde die Geschichte des IPA etwas zurechtgerückt. Diese besagt, dass das IPA früher in Großbritannien zur Konservierung mit hohem Hopfen- und Alkoholgehalt gebraut wurde, um auf dem weiten Seeweg zur britischen Kronkolonie nicht zu verderben. Das Bier sollte vor Ort dann verdünnt werden, was man natürlich unterlassen hat. In Wirklichkeit wurden sämtliche Biersorten – auch die mit weniger Alkohol bzw. Hopfen – nach Indien geliefert. Das IPA war nur eine davon und die Sache mit der vorgesehenen Verdünnung ist wohl eher nur eine schöne Geschichte. Trotzdem war dieses IPA, das “Strathaven Clydesdale” von Strathaven Ales aus Strathaven in Schottland mit 3,8 % erfrischend und leicht fruchtig. Ein ideales Sommerbier zum Grillen.IMG_0017

Als nächstes Bier gab es ein Scottish Ale, das “Traquair House Ale” mit 7,2 % Alkoholgehalt der Traquair House Brewery präsentiert. Traquair liegt in Schottland, etwas südlich von Edinburgh. Beim Bier handelt es sich um ein dunkles, malziges Scottish Ale, das mir auch sehr gut gefallen hat.

Anschließend gabe es einen Barley Wine zu kosten. Ich dachte immer, dass diese Bezeichnung ein Marketinggag der Craftbrauer ist und sie ihr Bier halt irgendwie besonders benennen wollen. Tatsächlich handelt es sich aber um eine richtige Biersorte. Dieses Bier, ein “Fullers Vintage Ale” der Fuller’s Griffin Brewery in Chiswick, London mit 8,5 %. Es wurde stilecht präsentiert. Bei diesem Bier wird wie beim Wein nach Jahrgängen unterschieden. Es wird in einer Flasche mit nummerierten Etikett geliefert. Die Flaschen sind auch einzeln in Kartons verpackt. Barley Wines (wörtlich: “Gersten-Weine”) sind stärkere Ales mit mindestens 7 % bis 12 % Alkoholgehalt und höherer Stammwürze. Der Alkoholgehalt entspricht daher eher dem eines Weines. Das Bier hat meistens eine rötliche oder dunkle Farbe. Auch dieses Bier war wieder sehr gut zu trinken.

Das letzte Bier wurde als Höhepunkt der Bierprobe angekündigt und das war es auch tatsächlich. Ein Imperial Stout namens “Temptation” der Durham Brewery in Bowburn, Durham. Einer Stadt südlich von Newcastle upon Tyne. Das Temptation ist ein Imperial Stout mit 10 % Alkoholgehalt und typischer sehr dunkler Farbe. Ein starkes, gehaltvolles Bier, das an dunkle Schokolade erinnert. Ein wirkliches Geschmackserlebnis. Das Imperial Stout – auch Russian Stout genannt – verdankt seinen Namen der Tatsache, dass es ursprünglich für Katharina die Große gebraut wurde und als Hofbier des Zarenhofes galt.

Die Bierprobe hat wieder sehr viel Spaß gemacht. Extreme Biere waren nicht dabei, alle probierten Biersorten konnte man sehr gut trinken. Das letzte Bier war auch mein persönlicher Favorit. Ich habe sehr viel über die britische Bierkultur erfahren und freue mich schon auf die nächste Bierprobe.

Einen weiteren Bericht findet sich samt Fotos bei Bierprobe – Die große Welt der Biere.

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