Vorderscheinberg

Den heutigen Feiertag wollte ich nutzen, um eine Bergtour zu unternehmen. Ich hatte mir dazu den Vorderscheinberg (1.827 m) in den Ammergauer Alpen herausgesucht. Auf der Tour sind 1.100 Höhenmeter zu überwinden.
Vorderscheinberg-001Die Tour begann am Parkplatz Linderbrücke, der auf der Straße von Ettal nach Reutte liegt. Etwa zwei Kilometer nach Schloss Linderhof findet man den unbefestigten Parkplatz. Das Parken ist kostenlos.

Vom Parkplatz folgt man der geschotterten Forststraße ins Sägertal hinein. Der nur wenig ansteigende Weg folgt für einige Kilometer dem Sägertalbach. Am Ende der Forststraße steigt der Weg dann stärker an, wird schmäler und es kommen einige Kehren. An einer Stelle hat man die Wahl, auf dem Weg durch den heute etwa knöcheltief Wasser führenden Sägertalbach zu gehen oder einen kleinen Steg zu benutzen um diesen trockenen Fußes zu überqueren.

Es geht dann im Wald steiler hinauf bis man zu einem Wegweiser kommt. Dort folgt man dem Wegweiser nach links ins Lösertal (nicht geradeaus Richtung Kenzenhütte). Es geht auf einem schmalen Fußpfad durch den Wald. Im Hasentalgraben führt der Pfad direkt durch den kleinen Gebirgsbach. Man geht um den Hasentalkopf herum und tritt dann am Lösertaljoch in freieres Gelände. Hier hat man vom Talkessel eine schöne Aussicht auf die umliegenden Gipfel.

Jetzt geht es im Lösertaljoch auf einem Almwiesenpfad ziemlich steil nach oben. Es erfordert einige Konzentration, dem Pfad zu folgen, da dieser an einigen Stellen nur schwer erkennbar ist. An zwei Stellen ist er außerdem durch Bergrutsche verschüttet. Man sollte immer wieder nach den auf Felsen gesprühten roten Markierungspunkten Ausschau halten. An einer unter einem Bergrutsch verschütteten Stelle muss man etwas suchen, um den weiteren Verlauf des Pfades auszumachen. Der Aufstieg ist zwar anstrengend, aber nicht wirklich besonders fordernd.Vorderscheinberg-012

Der Aufstieg im Lösertaljoch erfolgte in strömenden Regen, der eigentlich vom Wetterbericht nicht angekündigt war. Dieser hatte Sonne vorhergesagt und nur ab Nachmittag Regen angekündigt, nicht aber bereits in den Morgenstunden. Am Grat angekommen führt der Pfad nach rechts zum Gipfel des Vorderscheinbergs. Hier musste ich mich durch eine Herde von etwa zehn Kühen bewegen, die sich jedoch nicht besonders von mir stören ließen.

Am Ende der Almweide führt ein schmaler Pfad steil zum Gipfel des Vorderscheinbergs hoch. Allerdings war jetzt immer wieder Donnergrollen zu hören. Ein Gewitter wollte ich nicht auf einem Berggipfel erleben und deshalb machte ich sofort kehrt, um zurück über die Almweide zu gehen und dann zu entscheiden, ob ich den geplanten Rundweg zur Kenzenhütte weitergehe oder auf dem Aufstiegsweg direkt wieder ins Tal zurückkehre. Beim Gang durch die Kuhherde kam mir ein Mann entgegen, der ebenfalls so wie ich kein Problem mit den Kühen hatte.

Kurz vor dem Abzweig zur Kenzenhütte zum Lösertaljoch hatte ich dann eine Begegnung der Dritten Art, die mich auch jetzt nur ratlos den Kopf schütteln lässt. Mir kamen ein Mann und eine Frau sowie ein nicht angeleinter weißer Schäferhund entgegen. Die Kuhherde, zu der mehrere Kälber gehörten, ging sofort aufgeregt den dreien entgegen und muhte nervös. Der Mann zog sich mit dem Hund, der jetzt einen ängstlichen Eindruck machte, etwas zurück und blieb stehen. Die Frau kam mir jedoch entgegen und statt auf meinen freundlichen Gruß zu antworten, blaffte sie mich auf Schwäbisch an „Die han Sie ‘etz alle zu uns hertribbé!!!“

Ich habe ihr dann klargemacht, dass ihnen die Herde nicht wegen mir entgegengegangen war, sondern dass der Hund daran schuld ist. Außerdem könnten sie froh sein, dass die Kühe sie nicht angegriffen hätten um die Kälber zu schützen. Sie sollten außerdem den Hund an dieser Stelle an die Leine nehmen.

Oben auf dem Grat konnte ich erkennen, dass von der anderen Bergseite her eine weitere Regenfront mit dunklen Wolken aufzog und außerdem hörte man bereits immer wieder Donnergrollen. Ich entschied mich dann, nicht zur Kenzenhütte weiterzugehen, sondern auf meinem Abstiegsweg, so schnell wie es der nasse Fels bzw. die nasse Almweide zuließen, wieder zurückzugehen. In der Richtung aus der ich gekommen war, waren die Wolken nicht so bedrohlich dunkel wie auf der anderen Bergseite. Außerdem wollte ich mögliche unangenehme Zusammenstöße mit der jetzt sehr aufgeregten Kuhherde und dem Hund nicht miterleben.

Unter Regen und ständigen Donnergrollen stieg ich im Lösertaljoch zügig ab, um bei einem Gewitter so weit unten zu sein wie möglich. Immer wieder grollte der Donner. Zum Glück blitzte es jedoch nicht. Auch im Wald wäre das kein Spaß gewesen. Erst kurz vor dem Abzweig zum Sägertalbach hörte der Donner auf und es kam tatsächlich die Sonne heraus.

Das restliche Stück zum Parkplatz absolvierte ich dann bei strahlendem Sonnenschein. Beim Blick Richtung Vorderscheinberg musste ich feststellen, dass auch hier keine Spur von Regen oder Gewitter mehr war. Statt dessen gab es weiß-blauen Himmel.

Auch wenn mich das abrupte Ende dieser Tour ärgert, bereue ich den Abbruch unterhalb des Gipfels auf keinen Fall. Auch wenn ich nicht sagen kann, ob der weitere Rundweg über Kenzenhütte und Bäckenalmsattel noch schöne Ausblicke geboten hätte. Die Sicherheit hat immer Vorrang. Keine Ahnung, wie sich das Gewitter auf dem weiteren Weg entwickelt hätte.

Hier auch noch einige Hinweise des Alpenvereins zum Verhalten von Wanderern gegenüber Kühen.

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