Regattastrecke Oberschleißheim

Zu den Olympischen Spielen 1972 in München wurde nicht nur das Olympiazentrum errichtet, sondern für die Austragung der Kanurennsport- und Ruderwettkämpfe errichtete man im Jahr 1971 die Regattaanlage in Oberschleißheim.

Die Regattastrecke liegt im Dachauer Moos und ein Besuch stellt eine Art Zeitreise dar. Mitten im Wald findet man eine absurde Zahl von Zufahrtstraßen, Wegen und Parkplätzen, die teilweise noch genutzt werden, teilweise einfach überwuchert sind.

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Altes Kassenhaus

Die Regattastrecke wird bis heute von Ruderern und Kanuten genutzt. Es finden sogar noch Wettkämpfe statt. Trotzdem sieht man, dass die ganzen Gebäude und die Zuschauertribüne ihre besten Zeiten hinter sich haben. Hier kommt man sich wirklich vor, als befände man sich im Jahr 1971.

Derzeit wird überlegt, wie mit dem Gelände weiter umgegangen werden soll. Entweder ein Abbruch der sanierungsbedürftigen Gebäude und Erhaltung der sonstigen Anlage oder ob die gesamte Anlage unter Denkmalschutz gestellt werden soll.

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Regattastrecke

Krieg! Bayern im Sommer 1914

Die Ausstellung „Krieg! Bayern im Sommer 1914“ ist im Bayerischen Hauptstaatsarchiv noch bis zum 1. August 2014 zu besichtigen. In der Ausstellung wird anhand von historischen Dokumenten der Beginn und auch der weitere Verlauf des Ersten Weltkriegs aus bayerischer Sicht erläutert.

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Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Man erreicht die Ausstellung aufgrund der Bauarbeiten ausschließlich über den Eingang Ludwigstraße 14.

Im ersten Raum geht es zunächst um das „August-Erlebnis“, also den Jubel und die Euphorie der Menschen beim Ausmarsch der Truppen aus Bayern. Anhand von Fotografien und Plakaten wird über die Einberufung informiert. Im zweiten und größeren Raum geht es dann mit anderen Empfindungen der Menschen weiter. Es überwiegt die Kriegsfurcht und der Abschiedsschmerz. Es werden Briefe an die Soldaten gezeigt, denen kleine Bastelarbeiten des Sohnes beiliegen oder Briefe, die ungeöffnet mit dem Vermerk „gefallen“ an den Absender zurückgeschickt wurden.

Anhand von Postkarten und Plakaten wird dann die Propaganda der verschiedenen Seiten (Entente und Mittelmächte) geschildert. Auch Künstlergruppen haben sich hier engagiert. Weiter geht es mit der ersten großen Schlacht an der Westfront in Lothringen. Dort errangen die bayerischen Truppen unter Führung des Kronprinzen Rupprecht einen Sieg, der in der Heimat euphorisch gefeiert wurde, jedoch keinen wesentlichen Einfluss auf den Ablauf des Krieges hatte. Auch die Zerstörungen von Nancy, in Lothringen durch deutschen und französischen Artilleriebeschuss werden durch Fotos dargestellt.

Zum Schluss dann die nachlassende Kriegseuphorie in den folgenden Jahren, als immer mehr Verwundete und Bilder von Gefallenen auftauchen und schließlich die Situation in Lothringen von heute. Schließlich führt es zu Gedenksteinen von zwei einzelnen im Jahr 1914 gefallenen Soldaten. Anhand der Kriegsstammrolle wird deren Militärdienst nachvollzogen.

Die Ausstellung ist durchaus informativ, hätte für meine Begriffe ruhig umfangreicher ausfallen können. Da der Eintritt nichts kostet, kann man jedoch nicht klagen. Ich kann einen Besuch jedenfalls empfehlen.

Hochbunker in der Sonnwendjochstraße

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© Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Heute war der Hochbunker in der Sonnwendjochstraße anlässlich des Tags des Offenen Denkmals 2013 geöffnet. Der Hochbunker ist sonst nicht zugänglich, deshalb war ich auch sehr gespannt, was mich erwarten würde. Ich kenne ihn ja nur von außen, wenn ich auf dem Weg zur Tram oder auf meiner Laufrunde daran vorbeikomme.

Der Hochbunker wurde 1941 gebaut. Nach Kriegsende wurde er von einem Gemüsehändler, Blumenhändler und bis in die 1960er Jahre von einem Farbenhändler genutzt. Der Bunker war ab 11 Uhr geöffnet, ab 12.30 Uhr fanden dann Führungen statt. Ich war schon kurz nach 10 Uhr da, um eine Karte für eine der sehr gefragten Führungen zu ergattern. Ich habe dann für die 13-Uhr-Führung eine bekommen. Jeweils 15 Personen werden auf einmal eingelassen. Ansonsten haben sich die Veranstalter (Bezirksausschuss 14 Berg am Laim) eine große Mühe gegeben. Es waren Pavillions aufgestellt und es wurden bereits Würste gebraten. Man kann ein Gespräch mit Zeitzeugen im Bunker führen und einen Film „Krieg, das 20. Jh. erzählt in einer Stunde“ von Jörg Baesecke ansehen. Es gibt auch eine Fotoausstellung und Beamerprojektion mit Ton-Installation, Originalfotos und -töne aus den sogenannten Luftkriegsjahren.

Der Rundgang begann im Erdgeschoss und führte über die Treppe in den Schutzraum im ersten Stock. Hier wurden zunächst Fotos von den Luftschutzvorkehrungen im zweiten Weltkrieg gezeigt. Im Schutzraum im zweiten Stock waren dann Bänke aufgestellt. Hier wurden einige Worte zum Bunker erzählt. Das Ganze wurde von den Klängen der Luftschutzsirene der Ausstellung im Obergeschoss untermalt. Sehr beeindruckend war, als ein Zeitzeuge, der als Kind die Luftangriffe in diesem Bunker verbracht hat, ganz spontan und sehr eindrücklich davon erzählte. Im Obergeschoss waren dann nochmals passende Texte, Fotos und die Beamer-/Toninstallation zu finden. Hinaus ging es dann über den Ausgang im ersten Stock und die Freitreppe. Hier fand sich nochmals ein Zeitzeuge, der erzählte, wie sie als Kinder die mechanische Luftpumpe bedienen mussten und dafür dann 100 Gramm Süßigkeiten bekamen.

Zunächst war ich etwas enttäuscht, da der Bunker durch die Nutzung nach dem Krieg natürlich nicht im Originalzustand war. So waren in den Schutzräumen an einigen Stellen Fließen mit Blumenmuster angebracht. Die bedrückende Atmosphäre in den Schutzräumen, in denen damals statt der vorgesehenen 300 bis zu 1000 Menschen eingepfercht waren und um ihr Leben fürchteten, wurde jedoch durch die spontanen Zeitzeugenaussagen lebendig. Bei den engen Treppenhäusern und Schutzräumen kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wie eine so große Anzahl von Personen hier überhaupt reinpassten.

Ein großes Kompliment an die Veranstalter. Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit genutzt habe, um den Hochbunker einmal von innen zu sehen. Wenn ich zukünftig daran vorbeilaufe, werde ich an dessen Vergangenheit denken.

 

Die Münchner Polizei und der Nationalsozialismus

Abbildung unter Creative-Commons-Lizenz; Urheber: Rufus46

Die bis 30. Dezember 2012 stattfindende Ausstellung „Die Münchner Polizei und der Nationalsozialismus“ muss man unbedingt besucht haben. Die Ausstellung ist im Polizeipräsidium München an der Ettstraße 2 untergebracht. Der Eintritt ist frei. Ich habe mich gefreut, einmal das Polizeipräsidium an der Ettstraße von innen zu sehen. Man muss zuerst am Pförtner vorbei, der die Innentüre dann öffnet. Dies geht mit dem Hinweis auf die Ausstellung aber völlig problemlos. Im Inneren darf man sich von den Polizisten nicht abschrecken lassen, die am Wochenende die Treppen zu den oberen Stockwerken bewachen und offensichtlich darauf achten, dass sich niemand „verläuft“. Sie sind aber natürlich freundlich und helfen einem dabei, den Weg in den Rapportsaal zu finden, in dem die Ausstellung untergebracht ist. Man muss sich nach der Innentüre nach rechts wenden.

Die Ausstellung ist wirklich sehr gut und interessant recherchiert. Sie besteht aus vielen Tafeln, auf denen sehr viel Text, viele Bilder und Zitate und Info-Kästen zu finden sind. Man muss also sehr viel lesen. Wer das nicht mag, wird mit der Ausstellung Probleme haben. Die Bilder und nicht zuletzt auch das laufende Video bieten aber Abwechslung. Vom ganzen Text sollte man sich aber wirklich nicht abschrecken lassen. Man wird umfassend informiert. Die Texte sind leicht zu lesen und sehr informativ.

Es wird der Weg der Polizei in München nachgezeichnet. Es beginnt in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg mit der Überwachung der Nationalsozialisten und der Niederschlagung des Hitler-Ludendorff-Putsches in der Weimarer-Republik. Dabei wird aber auch die ambivalente Haltung der Polizei nicht ausgespart. Es geht weiter über die Feme-Morde und die Unterstützung der Nazis durch Richter, Staatsanwälte und hohe Polizeifunktionäre. Die Gleichschaltung der Polizei nach der Machtergreifung und die Überwachung von Juden, „Zigeunern“, Oppositionellen oder Homosexuellen. Die Rolle der Polizei im Zweiten Weltkrieg bei Erschießungen und bei der „Partisanenbekämpfung“ wird umfassend geschildert. Nach Kriegsende wird die fehlende Aufarbeitung von Nazi-Unrecht thematisiert. Am Beispiel von einigen hohen Polizeibeamten wird kritisch aufgezeigt, dass diese trotz der begangenen Verbrechen kaum zur Rechenschaft gezogen und schließlich freigesprochen wurden. Viele waren nach dem Krieg wieder im Amt.

Sehr beeindruckend zum Beispiel das Schreiben eines Antragsstellers, der nach dem Kriegsende im Polizeipräsidium München außer sich vor Wut randalierte, weil er denselben Beamten gegenüberstand, der ein paar Jahre zuvor dessen Deportierung in ein KZ anordnete. Darüber hinaus wurde er von dem Beamten mit den Worten begrüßt, er wundere sich, dass der Antragssteller überhaupt noch lebe.

Sehr interessant auch die Tafel, auf der einige wenige Beamte gezeigt werden, die sich dem Gruppendruck und dem Terror entziehen konnten und beispielsweise einen entflohenen KZ-Insassen bei sich versteckten oder sich der Abkommandierung zu einem Einsatzkommando (also Erschießungskommando) an der Ostfront widersetzen konnten.

Auch die radikale Einsatztaktik bis in die 60er Jahre, die sich erst durch die Lehren aus den Schwabinger Krawallen änderte, wird angesprochen. Die Ausstellung vermittelt ein differenziertes Bild und spricht auch unangenehme Wahrheiten an. Es wird nicht versucht, die Polizei besser dastehen zu lassen. Hierfür gebührt dem Polizeipräsidium München Respekt. Die Aufarbeitung dieses Themas ist sehr wichtig.

1636 ihre letzte Schlacht

Schlacht bei Wittstock (Abbildung gemeinfrei)

Eine absolute Empfehlung ist die Ausstellung „1636 ihre letzte Schlacht“, die gerade in der archäologischen Staatssammlung München zu sehen ist. Der Sonntagseintritt beträgt 4,50 EUR und ist jeden Cent wert.

Im Dreißigjährigen Krieg fand am 4. Oktober 1636 bei Wittstock an der Dosse eine Schlacht zwischen schwedischen und kaiserlich-kursächsischen Truppen statt. Obwohl die schwedischen Truppen zahlenmäßig unterlegen waren, konnten diese durch eine flexible Kampfweise den schwerfälligen kaiserlichen Truppen derart zusetzen, dass diese im Zuge der einsetzenden Dunkelheit das Schlachtfeld fluchtartig verließen und somit ihre Niederlage anerkannten.

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