Operation Chastise (Züchtigung)

Entwicklung

Operation Chastise“ (Züchtigung) war eine im Zweiten Weltkrieg durchgeführte Operation gegen das Deutsche Reich. Es sollten Talsperren im heutigen Nordrhein-Westfalen und Hessen durch Angriffe zerstört werden und damit die Stromversorgung des Ruhrgebietes unterbrochen werden. Sie wurde in der Nacht vom 16. auf den 17.05.43 durch die Royal Airforce durchgeführt.

Vorbereitung

Zunächst plante der Ingenieur Barnes Wallis eine 10 Tonnen schwere Bombe über einer Talsperre abzuwerfen. Dies scheiterte jedoch, da zu diesem Zeitpunkt keine Bomber existierten, die eine solche Bombe tragen konnten. Er kam darauf, dass eine kleinere Sprengladung genügen würde, wenn diese direkt an der Staumauer unterhalb der Wasseroberfläche detoniert.

Die deutschen Talsperren waren jedoch durch Torpedonetze gesichert. Daher konnte man keine Torpedos oder Boote einsetzen.

Rollbombe im Imperial War Museum Duxford
Urheber: Martin Richards (Abbildung unter Creative Commons License).

Wallis konstruierte daraufhin eine sogenannte Rollbombe. Eine walzenförmige Bombe, die sich mit hoher Geschwindigkeit rückwärts dreht, wenn sie von einem Bomber bei geeigneter Geschwindigkeit aus der richtigen Fallhöhe abgeworfen wird. Die Bombe springt wie ein flacher Kieselstein über die Wasseroberfläche und über die Torpedonetze. Sie kommt direkt an der Wasserseite der Talsperre zum Stillstand und versinkt dort. Durch einen Druckmesser wird die Bombe in einer gewissen Tiefe zur Explosion gebracht, wo sie ein kleines Loch in die Talsperre reißt. Die Wasserkräfte des Stausees bewirken dann die schnelle Vergrößerung des Loches.

Nach Tests und vielen Diskussionen wurde dieser Plan am 26.02.43 von den Befehlshabern verabschiedet. Die Bombe bekam den Codenamen Upkeep und sie sollte im Mai zum Einsatz kommen, da die Stauseen zu dieser Zeit den höchsten Wasserstand hatten. Als Ziele wurden die Möhne-, Eder- und Sorpetalsperre ausgesucht.

Mit der Operation wurde die 5. Gruppe der Royal Air Force beauftragt. Die ungewöhnliche Form der Bombe bedingte es, dass die Tore des Bombenschachts weggelassen wurden und sie zum Teil aus dem Flugzeugrumpf herausragte. Sie wurde mittels zweier Hakenhalter montiert; vor dem Abwurf versetzte sie ein Hilfsmotor in eine schnelle Rückwärtsdrehung.

Die Bomben mussten an einem bestimmten Punkt genau aus 18 Metern Höhe bei 390 km/h abgeworfen werden. Möhne- und Edertalsperre hatten je einen Turm an den Seiten. Aufgrund von Luftaufnahmen wurde vorher berechnet, aus welchem Winkel die beiden Türme während des Abwurfzeitpunkts erscheinen sollten. Als Hilfe für die Piloten wurde ein einfaches hölzernes Gerät gebaut, mit dem diese den Zeitpunkt bestimmen konnten. Einige Piloten machten sich auch einfach zwei Markierungen an Cockpitverkleidung und befestigten daran zwei Schnüre. Diese Vorrichtung erfüllte denselben Zweck.

Das zweite technische Problem war die Abwurfhöhe. Die herkömmlichen Höhenmesser in Flugzeugen waren für diesen Zweck viel zu unpräzise. Also wurden zwei Scheinwerfer an der Unterseite des Flugzeuges befestigt – je einer am Bug und am Heck. Sie wurden so montiert, dass die Strahlen des Lichts genau 18 Meter unterhalb des Flugzeuges eine „8“ bilden sollten, wenn die optimale Abwürfhöhe erreicht war. Diese zwei Techniken wurden vorher intensiv geübt.

Der Anflug

Das Angriffsziel waren der Edersee sowie Sorpe- und Möhnesee im Einzugsbereich der Ruhr. Das taktische Ziel der Operation bestand in einer Schädigung der Rüstungsindustrie im Ruhrgebiet durch eine möglichst dauerhafte Unterbrechung ihrer Wasserversorgung.

Die Lancaster-Bomber wurden in drei Gruppen eingeteilt. Die Formation 1 sollte die Möhne- und danach die Eder-Mauer zerstören. Formation 2 sollte den Sorpe-Damm übernehmen. Die dritte Gruppe bildete die Reserve, die zwei Stunden später abheben und etwaige noch nicht zerstörte Ziele angreifen sollte.

Der Hinflug erfolgte in Baumwipfelhöhe (zwischen 25 und 40 Meter), um die Erkennung durch deutsche Radarstationen zu vermeiden. Die Flugzeuge benutzten zwei sorgfältig ausgearbeitete Routen, um Fliegerabwehrstellungen auszuweichen.

Die Maschinen der Formation 2 starteten wegen der längeren Flugstrecke auf der nördlichen Route um 21:10 Uhr als erste. Formation 1 ging um 21:25 Uhr in die Luft.

Bereits kurz hinter der holländischen Küste kam es zu ersten Verlusten. Formation 2 traf es besonders hart. Durch Flaktreffer verlor ein Flugzeug das Funkgerät und drehte über der Zuiderzee ab. Eine Bombe fiel ins Meer, weil der Pilot zu tief geflogen war, doch er konnte die Maschine abfangen und wieder zur Basis zurückkehren. Zwei Bomber überflogen die Küste und wurden wenig später abgeschossen. Nur eine Maschine überquerte die Niederlande unversehrt. Formation 1 verlor nur ein Flugzeug.

 Die Möhnetalsperre

Die Formation 1 erreichte die Möhnetalsperre. Das erste Flugzeug traf jedoch nicht. Das zweite Flugzeug wurde durch Flakfeuer getroffen und dann durch die Druckwelle der eigenen explodierenden Bombe zerstört. Der dritte Angreifer wurde zwar getroffen, konnte jedoch die Bombe ins Ziel bringen. Die nächsten beiden Piloten trafen ebenfalls und zerstörten die Staumauer. Die restlichen Maschinen flogen zur Edertalsperre weiter.

Möhnesee-Staumauer nach dem Angriff
Diese Abbildung ist Public Domain.

 

Die Edertalsperre

Das Eder-Tal war in dichten Nebel gehüllt, aber nicht verteidigt. Die umliegenden Hügel erschwerten den Anflug, so dass das erste Flugzeug nach sechs vergeblichen Anläufen zunächst abbrach. Der Pilot der zweiten Maschine unternahm den nächsten Versuch, doch seine Bombe detonierte auf der Dammkrone und beschädigte das Flugzeug. Beim nächsten Versuch des ersten Piloten erzielte dieser einen erfolgreichen Abwurf. Die letzte Bombe der Formation zerstörte schließlich die Talsperre.

Sorpetalsperre bzw. Ennepetalsperre

Der verbleibende Pilot der 2. Formation erreichte die Sorpetalsperre. Der breite Erddamm bildete ein deutlich schwierigeres Ziel als die beiden erfolgreich attackierten Stein- und Beton-Bauwerke. Trotz Nebels und schwierig zu passierender Hügel gelang aber ein erfolgreicher Abwurf, doch die Talsperre blieb intakt. Danach wurden drei Reservemaschinen zur Sorpe beordert. Eine kam dort niemals an. Die zweite erreichte das Ziel und kam trotz dichter werdenden Nebels zum Abwurf, jedoch gleichfalls ohne den Damm zu zerstören. Als der Pilot der dritten Maschine ankam, war der Nebel bereits zu dicht für einen Anflug. Die verbliebenen zwei Maschinen wurden daher zu Ausweichzielen (Ennepetalsperre) beordert. Eine wurde dabei abgeschossen, während der zweite Pilot seine Bombe auf die Mauer des Ennepesees abwarf. Diese hielt jedoch.

Rückflug

Auf dem Flug nach England zurück – wiederum auf Baumwipfelhöhe – ging ein weiteres Flugzeug verloren. Es wurde von der Fliegerabwehr getroffen und stürzte nahe der holländischen Küste ins Meer.

Fazit

Die Einheit wurde nach dem Talsperrenangriff beibehalten. Das Abzeichen der Gruppe besteht aus drei Blitzen, einem gebrochenen Damm und dem Motto „Après moi le déluge“ (Nach mir die Sintflut). Sie existiert noch heute. Deren Mitglieder werden immer noch als „Dam Busters“ bezeichnet.

Aus den Stauseen der Möhne und der Eder flossen rund 330 Millionen Tonnen Wasser. Bergwerke wurden überflutet und zahlreiche Häuser, Fabriken, Straßen, Eisenbahnlinien und Brücken zerstört oder beschädigt. Über die Zahl der Opfer gibt es unterschiedliche Angaben: Während manche Quellen von vergleichsweise geringen 47 oder 68 Opfern der Edersee-Flutwelle ausgehen, erwähnen andere den Tod von 749 ukrainischen kriegsgefangenen Zwangsarbeitern in einem Arbeitslager direkt unterhalb der Staumauer. Die Zahl der Toten unterhalb der Möhnetalsperre liegt zwischen 1284 und über 1600 Menschen. Die bis zu 12 Meter hohe Flutwelle forderte die meisten Toten (etwa 1200) in einem Kriegsgefangenenlager vier Kilometer talabwärts. Noch 100 km ruhrabwärts, in Essen-Steele, kamen Menschen durch die Flutwelle ums Leben.

Nach der erfolgten Mission schrieb Barnes Wallis: „Ich spürte, dass Deutschland einen Schlag erlitt, von welchem sich das Land mehrere Jahre nicht erholen kann.“ Genauer betrachtet hatte die Operation Chastise jedoch nicht die erwünschte oder vermutete Wirkung. Am 27. Juni lief die Trinkwasserförderung wieder auf der vorherigen Leistung – dank eines Notfallplans, der nur ein Jahr vorher eingeführt worden war. Zur gleichen Zeit war auch das Elektrizitätsnetz wieder repariert. Der Angriff forderte zwar viele Tote – mehr als die Hälfte von ihnen alliierte Kriegsgefangene –, aber tatsächlich wurden die Schäden schnell wieder behoben.

Veröffentlichte Fotografien der zerstörten Talsperren stellten allerdings einen großen Propaganda-Erfolg der Briten dar.

Ich empfehle hierzu das Buch von Helmuth Euler: „Wasserkrieg – Rollbomben gegen die Möhne-, Eder-, Sorpe-Staudämme“, Motorbuch Verlag Stuttgart

Artikel unter "Geschichte" hinzugefügt

Ich habe zwei interessante Artikel auf meiner Homepage www.markus-m.de über die deutsche Geschichte eingefügt.

Es handelt sich um die Bemühungen der Royal Air Force, deutsche Talsperren im Zweiten Weltkrieg zu zerstören. Die technisch sehr interessante Ausführung ist unter "Operation Chastise" beschrieben.

Der zweite Artikel handelt von der verlustreichsten Schlacht des Zweiten Weltkriegs in Westeuropa. Es handelt sich um die Schlacht im Hürtgenwald. Ein weiteres Stichwort hierzu ist Allerseelenschlacht bzw. Vossenack.

Unter Links finden sich einige sehr interessante Artikel. Es gibt eine DVD mit einem Film über die Schlacht im Hürtgenwald.

Beide Artikel machen deutlich, dass so etwas nie mehr passieren darf. Nur durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit lässt sich das in der Zukunft vermeiden. Die Artikel sollen das Interesse dafür wecken.

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