Die Grandauers

In den Jahren 1979 bis 1982 wurde für den Bayerischen Rundfunk eine Hörfunkserie des Autors Willy Purucker mit dem Namen „Die Grandauers und ihre Zeit“ produziert. Darin wurde das Schicksal der Familien Grandauer in der Zeit von 1893 bis 1945 geschildert. Die Serie endet mit dem Kriegsende 1945. Weitere Folgen wurden nicht mehr produziert, da Karl Obermayr, der den Ludwig und Benno Grandauer sprach, nach der Aufzeichnung der 28. Folge verstarb.

Auf Basis dieser Hörspielserie wurde dann von 1987 bis 1992 für den Bayerischen Rundfunk die Fernsehserie „Löwengrube“ produziert. Der damalige BR-Intendant war ein Fan der Hörfunkserie und überzeugte die Verantwortlichen, diese für das Fernsehen zu adaptieren. Auch hier wird das Schicksal der Familien Grandauer in der Zeit um die Jahrhundertwende geschildert, jetzt allerdings bis in die 50er Jahre hinein. Willy Purucker schrieb selbst die Bücher für das Fernsehen um.

Sowohl die Hörfunk-, als auch die Fernsehserie zeigen die großen Ereignisse der Weltpolitik durch die Brille der ganz normalen, kleinen Leute. Dieser Blickwinkel zeigt, wie sich die Politik im Großen auf das Leben der kleinen Leute bis in den hintersten Winkel des Münchner Stadtteils Haidhausen auswirkt.

Trotz des riesigen Erfolges wurde die Serie jedoch nicht weiter fortgesetzt. Für Autor Willy Purucker endet die Geschichte eigentlich in den siebziger Jahren. „Da hat sich noch einmal vieles verändert – im Guten wie im Schlechten.“ Eine solche (für heutige Verhältnisse) aufwändige und hochwertige Produktion mit überzeugenden Schauspielern ist heute jedoch nicht mehr denkbar.

Die Geschichte der Familie Grandauer ist eine Erfindung von Autor Willy Purucker. Er ist genau in dem Haidhausen geboren worden und aufgewachsen, in dem auch seine Grandauers leben. Dadurch gelang es ihm, genau den Blickwinkel der einfachen Menschen von damals zu finden und die Umgebung dieses Stadtviertels zur Vorlage für die Geschichten zu nehmen.


Hörfunkserie „Die Grandauers und ihre Zeit“

Die achtundzwanzig Teile der Hörfunkserie wurden ab 1979 produziert und dann von 1980 bis 1985 gesendet. Ursprünglich war sie sogar so ausgelegt, dass das Leben von drei Generationen von Polizeibeamten geschildert werden sollte. Für diese hochwertige Hörspielproduktion wurden zahlreiche bekannte Schauspieler wie Christine Neubauer, Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer oder Michael Lerchenberg engagiert.

Leider verstarb jedoch der Sprecher des Ludwig und Benno Grandauer, der Schauspieler Karl Obermayr nach den Aufnahmen zur 28. Folge. Daher endet die Hörfunkserie mit dem Kriegsende 1945. Karl Obermayr war die Rolle des Karl bzw. Benno Grandauer auf den Leib geschrieben. Für Willy Purucker war es daher undenkbar, die Serie mit einem anderen Sprecher weiterzuführen.

Übersicht der einzelnen Folgen:

1. Einquartierung (Oktober/November 1893)

2. Haberfeldtreiben (Winter 1893 bis Frühsommer 1894)

3. Hochzeit (August 1897)

4. München (Ende September 1902)

5. Schneebälle (Januar 1905)

6. Krise (November 1906)

7. Abgründe (Juni 1910)

8. Abschied (Dezember 1912)

9. Todestage (Juni 1914)

10. Generationswechsel (Februar 1920)

11. Verwicklungen (Oktober 1920)

12. Konsequenzen (April 1921)

13. Junigewitter (Juni 1923)

14. Umzüge (November 1923 bis März 1924)

15. Ehrengäste (Mai 1925)

16. Aschermittwoch (Februar 1927)

17. Wetterwechsel (Oktober 1929)

18. Notverordnungen (November 1931)

19. Morgenrot (Januar 1933)

20. Volkswillen (März 1933)

21. Frühlingsanfang (März 1933)

22. Heimtücke (Oktober 1935)

23. Tauwetter (Februar 1936 bis März 1936)

24. Gewalttäter (September 1938 bis November 1938

25. Wehrübung (August 1939 bis September 1939)

26. Vorsehung (November 1939)

27. Sitzkrieg (November 1939)

28. Fasanenjagd (Dezember 1940 bis April 1945)

 

 


 

Fernsehserie „Löwengrube“

Die Geschichte der Familie Grandauer wurde für das Fernsehen als 32-teilige Serie mit dem Titel „Löwengrube“ verfilmt. Der Name geht auf die Adresse des Polizeipräsidiums München, Löwengrube 1 (bzw. Ettstraße 2) zurück.

Polizeipräsidium München, Ettstraße 2
Urheber: Okfm (Bild unter Creative Commons Lizenz.)

Die Erstausstrahlung der ersten Staffel (13 Folgen) erfolgte von November 1989 bis Februar 1990. Die zweite Staffel (13 Folgen) wurde 1991 und die dritte Staffel (6 Folgen) wurde von Oktober bis November 1992 zum ersten Mal ausgestrahlt.

In der Fernsehserie heißt Benno Grandauer zu Ehren Karl Obermayrs nun Karl Grandauer und wird von Jörg Hube gespielt. Einige Hörfunkfolgen wurden nicht für das Fernsehen übernommen oder leicht verändert. Die Fernsehfassung beginnt erst mit Folge drei der Hörfunkserie (Hochzeit). Einige Sprecher der Hörfunkfassung übernahmen auch die Rollen in der Fernsehserie. Franziska Stömmer als Adelgunde Soleder und Peter Pius Irl als Hauswart Uhl. Weitere Sprecher kamen in anderen Rollen zurück, so z. B. Gerd Anthoff als Amtmann Deinlein. Im Hörfunk sprach er den Adolf Grandauer.

In der Fernsehserie wohnt die Familie Grandauer in einer bescheidenen Beamtenwohnung in Haidhausen im Münchner Osten. Auch die Bäckerei Kreitmeier liegt in Haidhausen und hat ein historisches Vorbild.

Übersicht der einzelnen Folgen:

1. Charivari (1897 – 1907)

2. Abgründe (1909)

3. Herrenfahrer (1910)

4. Wachablösung (1914)

5. Heimkehr (1918/1919)

6. Konsequenzen (1920)

7. Polterabend (1923)

8. Umzüge (1923)

9. Schlafzimmergeschichten (1929)

10. Notpolizei (1931)

11. Kehraus (1933)

12. Volkswille (1933)

13. Frühlingsanfang (1933)

14. Bartholomäusnacht (1934)

15. Heimtücke (1935)

16. Tauwetter (1936)

17. Veränderungen (1936)

18. Gewalttäter (1938)

19. Sommerfrische (1939)

20. Vorsehung (1939)

21. Wehrkraftzersetzung (1940)

22. Fasanenjagd (1945)

23. Erbschaft (1945)

24. Abrechnung (1945)

25. Funkstille (1946)

26. Kopfgeld (1948)

27. Milchkaramellen (1950)

28. Tigerbande (1950)

29. Mütter (1950)

30. Barfrau (Herbst 1951)

31. Unschuld (1952)

32. Abschied (1954)

Löwengrube ist eine – für heutige Verhältnisse – unglaublich aufwändige Fernsehproduktion. Das großartige Spiel von Charakterdarstellern wie Jörg Hube, Christine Neubauer oder Franziska Stömmer machen diese Serie absolut sehenswert. Anders als in vielen anderen Vorabendserien blieb der Stab bei den Dreharbeiten von der ersten bis zur letzten Staffel im Wesentlichen gleich. Es entwickelte sich so etwas, wie eine Löwengruben-Filmcrewfamilie.

Viele Szenen wurden in einer extra für die Serie geschaffenen 85 mal 45 Meter großen Filmstadt auf dem Bavaria-Filmgelände gedreht. 50 Schreiner, Maler und Bauarbeiter schufen ein „Mini-München“. Es wurden Pflastersteine und Straßenbahnschienen wie anno dazumal verlegt, Holzkonstruktionen und Stahlrohrverstrebungen konstruiert. Es entstand ein Altmünchner Viertel mit Schrannenplatz, Kirchplatzgasse und Sandgruben.

Die meisten Häuser waren nur Fassade. Drei Gebäude besaßen jedoch ein Innenleben. Die Amtsstuben der Beamten aus der Ettstraße, die kleinbürgerlichen Wohnungen der Grandauers, der herrschaftliche Salon der Soleders und darunter deren gediegene Musikalienhandlung mit diversen Pianos. Darüber hinaus gab es mehrere „Wechsel“-Räume: einmal Funkstudio, dann Kantinenecke oder ein Polizisten-WC. Aus einem Wohnzimmer wurde eine Zahnarztpraxis, dann wieder eine Landpolizeidirektion.

Auch die Maskenbildner waren gefordert. Die Schauspieler mussten um bis zu 50 Jahre älter werden. Dies wirkte sich vor allem in der dritten Staffel aus. Hier galt jedoch die Devise, es nicht zu übertreiben. Oma Soleder zum Beispiel hatte gegen Ende der Serie ein biblisches Alter erreicht und hätte dementsprechend geschminkt werden müssen. Hier sollte aber die Erkennbarkeit der Figur vor die realistische Darstellung treten.

1991 wurde die Serie mit dem Bayerischen Fernsehpreis und 1992 mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet.


 

Bücher

Willy Purucker hat seine Drehbücher auch zu Romanen verarbeitet.

Die Grandauers (aus dem Jahr 2007)

Beschreibt die 20er Jahre.

Die Grandauers und die neue Zeit (aus dem Jahr 2008)

Beschreibt die Zeit von der Machtübernahme 1933 bis hin zum Bürgerbräuattentat 1939.

Die Grandauers und die Zeit danach (aus dem Jahr 2010)

Beschreibt die Zeit vom Kriegsende bis Mitte der fünfziger Jahre.

 

Uri-Geller-Show auf Pro7

Der Löffelverbieger Uri Geller wollte am Samstag, den 15.11.2008 per Radioteleskop Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen. Pro7 hat daraus eine dreistündige Show zur besten Sendezeit unter dem Titel „Ufos & Aliens – Das unglaubliche Live-Experiment“ gemacht. 

Geller hat seine Mitteilungen und auch die der Zuschauer per Radioteleskop zu einem entfernten Stern geschickt: „Wir öffnen unsere Herzen und unsere Gedanken für euch. Wir glauben fest daran, dass ihr irgendwo da draußen seid. Bitte zeigt euch in der Nacht vom 15. November. Die Menschen werden aus den Fenstern sehen und euer Signal erwarten.“

Die Hoffnung, Antwort von Aliens zu bekommen hat sich natürlich nicht erfüllt. Ankommen werden die Nachrichten dort sowieso erst in 30 Jahren. Immer diese blöde Lichtgeschwindigkeit. Doch auch auf dem Weg dahin war während der Sendezeit am Samstagabend – welch Überraschung – auch nichts von Aliens zu hören.

Die Sendung war ein neuer Meilenstein des Trash-TV. Mit von der Partie waren längst abgemeldete TV-Stars, die sich wie Uri Geller mühsam vor dem Untergang zu retten versuchen. Man hatte also das Vergnügen mit Erich von Däniken, Nina Hagen und der gecastete Geller-Nachwuchs Vincent Raven.

Um mit Vorsatz auch gleich weitere Marken des Programms zu schädigen, hat man "Galileo"-Moderator Daniel Aminati in diesem pseudo-wissenschaftlichen Umfeld seine Glaubwürdigkeit demontieren lassen. Aminati stand während der Sendung – so hieß es zumindest – in einem Kontrollraum des wiederum tatsächlich existierenden Radio-Teleskop nahe der Stadt Evpatoria in der Ukraine – und durfte immer wieder betonen wie spannend und unheimlich alles sei. Extra eingespielte Ton- und Bildprobleme legten allerdings den Verdacht nahe, dass sich Aminati mit ein paar schlechten Schauspielern, die Wissenschaftler darstellen sollten, im Nachbarstudio aufhielt.

Weil der Versand der Nachrichten, abgesehen von eingespielten Effekten, die eine passene Stimmung erzeugen sollten, völlig unspektakulär war und eben auch jegliche Antwort von Außerirdischen ausblieb, musste man die quälend lange Sendezeit zwischendurch mit anderweitigem Unsinn füllen. Es mussten also Kristallschädel und Entführungen durch Außerirdische herhalten.

Diese unterirdische Show war wirklich ein Tiefpunkt des deutschen Fernsehens. Eine unfassbare und unglaubliche Leistung in Sachen Total-Verdummung. Marcel Reich-Ranicki hätte geschäumt.

Die Macht der Vernunft hat gesiegt. Geller kam gerade mal auf einen Zuschaueranteil von 4,8 %. Wegen der desaströsen Einschaltquoten dürfte Pro7 dieses Experiment daher so schnell nicht mehr wiederholen.

Der Kolumnist Alexander Krei meint dazu:

Wie tief muss das deutsche Fernsehen gesunken sein, wenn Typen wie Uri Geller, Erich von Däniken und Nina Hagen am Samstagabend zur besten Sendezeit mit Aliens zu kommunizieren versuchen? Und vor allem: Was hat sich ProSieben dabei gedacht, so einen Schwachsinn wirklich auszustrahlen? Mit dem Denken wars bei ´Uri Geller live´ offensichtlich nicht wirklich weit her. Wenn man auch nur halbwegs an Qualitäts-Produkten interessiert ist, hätte irgendjemand von ProSieben diesem Trauerspiel den Stecker ziehen und stattdessen lieber einen guten Film einlegen sollen. Doch nichts von alledem: Satte drei Stunden wurde dieser Mist versendet – mit bierernster Miene garniert. So peinlich, dass sich wohl selbst die Aliens dafür geschämt hätten.

Immer wieder wurden Fragen der Zuschauer ins All geschickt – und als Beobachter wünschte man sich, dass doch bitte von oben Reich-Ranicks Stimme ertönen und ein lautes "gräääßßßßlich" von sich geben würde. Aber nicht mal das gab´s. Stattdessen wurde der Wahnsinn immer weiter auf die Spitze getrieben: Mit irgendwelchen belanglosen Schalten in einen ukrainischen Kontrollraum, in dessen Innerem Wissenschaftler saßen, die ihren Namen wahrlich nicht gerecht wurden. Zur Strafe für diesen unsäglichen Mist müsste die komplette Führungs-Mannschaft von ProSieben zum zehnmaligen Anschauen dieser Show gezwungen werden. Immerhin gab es am Samstag dann noch eine positive Erkenntnis: Das Publikum hat sich einen Dreck um diese erbärmliche Produktion geschert.

Weiter Link:

Cenap-Newsticker