Regattastrecke Oberschleißheim

Zu den Olympischen Spielen 1972 in München wurde nicht nur das Olympiazentrum errichtet, sondern für die Austragung der Kanurennsport- und Ruderwettkämpfe errichtete man im Jahr 1971 die Regattaanlage in Oberschleißheim.

Die Regattastrecke liegt im Dachauer Moos und ein Besuch stellt eine Art Zeitreise dar. Mitten im Wald findet man eine absurde Zahl von Zufahrtstraßen, Wegen und Parkplätzen, die teilweise noch genutzt werden, teilweise einfach überwuchert sind.

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Altes Kassenhaus

Die Regattastrecke wird bis heute von Ruderern und Kanuten genutzt. Es finden sogar noch Wettkämpfe statt. Trotzdem sieht man, dass die ganzen Gebäude und die Zuschauertribüne ihre besten Zeiten hinter sich haben. Hier kommt man sich wirklich vor, als befände man sich im Jahr 1971.

Derzeit wird überlegt, wie mit dem Gelände weiter umgegangen werden soll. Entweder ein Abbruch der sanierungsbedürftigen Gebäude und Erhaltung der sonstigen Anlage oder ob die gesamte Anlage unter Denkmalschutz gestellt werden soll.

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Regattastrecke

AUGEN AUF! 100 Jahre Leica Fotografie

Auf einen Besuch Ausstellung „AUGEN AUF! 100 Jahre Leica Fotografie“ im Kunstfoyer der Versicherungskammer freue ich mich schon seit einigen Wochen.

IMG_0127Endlich habe ich die Zeit für einen Besuch gefunden. Die Ausstellung ist noch bis 5. Juni 2016 zu sehen und zeigt die Geschichte der Leica (von Leitz und Camera) vor 100 Jahren. Der Eintritt in die Ausstellung ist kostenlos.

Die neue Kamera im Taschenformat war eine bahnbrechende Erfindung. Endlich musste man nicht mit großen Holzkästen und Glasnegativen hantieren. Man konnte auf einem 35-mm-Kinofilm fotografieren. Die Kameras boten Wechselobjektive, Entfernungsmesser. Im Gegensatz zu Spiegelreflexkameras kann man fast geräuschlos und aus der Hüfte geradezu unbemerkt nebenbei fotografieren. Der Kamerasucher zeigt nicht nur den zu fotografierenden Ausschnitt an, sondern auch einen gewissen Bereich darüber hinaus. Außerdem bleibt aufgrund der Größe der Kamera das andere Auge frei, um die Umgebung während des Fotografierens wahrzunehmen.

Ur-Leica von 1914 © Leica Camera AG. Aus der Ausstellung AUGEN AUF! - 100 JAHRE LEICA-FOTOGRAFIE, 24. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015 in den Deichtorhallen Hamburg / Haus der Photographie.
Ur-Leica von 1914 © Leica Camera AG. Aus der Ausstellung AUGEN AUF! – 100 JAHRE LEICA-FOTOGRAFIE, 24. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015 in den Deichtorhallen Hamburg / Haus der Photographie.

In der Ausstellung sind die verschiedenen hergestellten Leica in Glaskästen ausgestellt. Unter anderem gibt es auch einen Nachbau des ersten Leica-Modells.

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur die Kamera selbst, sondern selbstverständlich auch die verschiedenen Bereiche, in der sie zum Einsatz gekommen ist. So sind Aufnahmen von Henri Cartier-Bresson, Robert Papa, René Burri und noch vielen anderen zu sehen. Speziell die bekannten Fotografien, wie z. B. der fallende Soldat von Capa, der Kuss am Times Square bei der Verkündung des Kriegsendes von Alfred Eisenstaedt oder die vor Napalm flüchtenden Vietnamesen von Nick Út sorgen regelrecht für Gänsehaut.

Heinrich Heidersberger: Laederstraede, Kopenhagen 1935. © Institut Heidersberger, www.heidersberger.de.. Aus der Ausstellung AUGEN AUF! - 100 JAHRE LEICA-FOTOGRAFIE, 24. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015 in den Deichtorhallen Hamburg / Haus der Photographie.
Heinrich Heidersberger: Laederstraede, Kopenhagen 1935. © Institut Heidersberger, www.heidersberger.de.. Aus der Ausstellung AUGEN AUF! – 100 JAHRE LEICA-FOTOGRAFIE, 24. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015 in den Deichtorhallen Hamburg / Haus der Photographie.

Speziell in München (die Ausstellung war auch in Hamburg, Frankfurt/Main, Berlin und Wien zu sehen) sind zuvor noch nicht gezeigte Bilder z. B. Hans Saebens, Werner Bischof, Paul Wolff oder Gérard Castello-Lobes ausgestellt.

Zur Ausstellung gibt es einen umfangreichen Katalog für 98 EUR. Der Preis ist für einen Ausstellungskatalog dieses Umfangs (562 Seiten) durchaus angemessen.

Die Ausstellung ist fantastisch. Die Kameras und die Bilder sind wunderbar. Ich wollte schon immer eine Leica haben. Nach dem Besuch der Ausstellung werde ich mich auf die Suche nach einer bezahlbaren Leica M machen. Ich werde die Ausstellung auf jeden Fall noch einmal besuchen.

NS-Dokumentationszentrum München

Eingang zum Dokumentationszentrum
Eingang zum Dokumentationszentrum

Das NS-Dokumentationszentrum München wurde im letzten Jahr eröffnet. Endlich habe ich Zeit für einen Besuch gefunden. Das NS-Dokumentationszentrum wurde auf dem Gelände des ehemaligen „Braunen Hauses“, also der NSDAP-Parteizentrale errichtet. Auf vier Etagen schildert es den Aufstieg, den Fall des Nationalsozialismus und nationalsozialistische Umtriebe in der Zeit danach.

Vierter Stock
Vierter Stock

Man sollte sich für das Dokumentationszentrum unbedingt viel Zeit nehmen. Das Dokumentationszentrum ist absichtlich so gestaltet, dass man hier keine Nazi-Devotionalien zu erwarten hat. Es gibt statt dessen viele Texttafeln und Fotografien, Abbildungen von Plakaten, Zeitungsausschnitten und Briefen. Einen Audioguide kann man zwar ebenfalls ausleihen, jedoch kommt man aus meiner Sicht auch ohne aus, da ohnehin alles ausführlich in den Texten (jeweils in Deutsch und Englisch) behandelt wird. Daneben gibt es viele Animationen und es werden kurze Filme gezeigt. Dadurch werden die vielen Texte aufgelockert.

Das Gebäude aus Beton mit den weißen Wänden lenkt den Blick immer wieder auf die Ausstellung. Nach dem Kartenkauf im Erdgeschoss (5 EUR – kein Sonntagseintritt) begibt man sich in den vierten Stock zum Anfang der Ausstellung. Dort wird der Ursprung und der Aufstieg der NS-Bewegung in den Jahren 1918 bis 1933 behandelt. Es wird die turbulente Zeit der Weimarer Republik mit ihren Unruhen aus dem Münchner Blickwinkel dargestellt.

Im dritten Stock geht es mit der Herrschaft und der Gesellschaft im Nationalsozialismus in den Jahren 1933 bis 1939 weiter. Hier nimmt die Verfolgung der Personen, die von den Nationalsozialisten als nicht zum „Volkskörper“ gehörig erklärt werden, einen breiten Raum ein. Immer wieder natürlich mit dem Bezug zu München.

Blick auf die Fenster und die vier Leinwände mit laufenden Filmen.
Blick auf die Fenster und die vier Leinwände mit laufenden Filmen.

Im zweiten Stock dann München und der Krieg (Jahre 1939 bis 1945) und die Zeit nach 1945.

Im ersten Stock schließlich die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit nach 1945. Beginnend mit dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal, aber auch der schnellen Rückkehr ehemaliger Funktionäre in höhere Ämter, über die Auseinandersetzung in den 50er und 60er Jahren, bis hin zum Oktoberfestattentat und den Morden des NSU. Ebenfalls im ersten Stock findet sich die Sonderausstellung „Der Warschauer Aufstand 1944“.

Immer wieder wirft man einen Blick durch die Fenster nach Draußen auf die Sockel der beiden „Ehrentempel“, das Königstor oder den ehemaligen „Führerbau“. Der Rundgang ist äußerst informativ aber auch bedrückend. Es sollte jeder dem Dokumentationszentrum einen Besuch abstatten und davon lernen.

Ein kleiner Bücherstand im Erdgeschoss und eine Cafeteria im zweiten Untergeschoss runden das Angebot ab.

175 Jahre Eisenbahn München-Augsburg

S3/6 Frontansicht

S3/6 FrontansichtDiesen Sonntag habe ich die Ausstellung “Spurensuche: 175 Jahre Eisenbahn München-Augsburg” im Verkehrszentrum des Deutschen Museums besucht.

Die Bahnstrecke wurde am 4. Oktober 1840 eröffnet und war in der Region der Grundstein für die Industrialisierung. An der Bahnstrecke lagen die bekannten Lokomotivhersteller J. A. Maffei und Krauss & Co.

Leider klang die Ausstellung im Vorfeld interessanter, als sie sich dann vor Ort im Verkehrszentrum präsentierte. Sie bestand nur aus wenigen Tafeln mit Text und einigen Grafiken. Die einzelnen Texttafeln musste man auch erst einmal finden. Sie sind in der Halle II rund um die S 3/6 auf verschiedenen Ebenen verteilt. Diese Länderbahnlokomotive von Maffei ist zwar selbstverständlich der passende Ort für diese Ausstellung, trotzdem muss man die Tafeln mühsam suchen. Es ist weder eine besondere Reihenfolge zu erkennen, noch ist klar, welche Tafeln überhaupt zu dieser Sonderausstellung gehören. Auch Texttafeln regulärer Ausstellungsstücke sind mit dem Logo der Sonderausstellung versehen. Ich habe keine Ahnung, ob ich alle Tafeln gefunden habe. Es gab kein Verzeichnis der Tafeln oder eine nähere Erläuterung zur Ausstellung.

Der Text dieser wenigen Tafeln ist zwar durchaus ganz informativ, allerdings dann letztendlich doch nur enttäuschend oberflächlich. Ausstellungsstücke sind nicht wirklich konkret einbezogen, bzw. war mir das bei einigen Tafeln nicht klar. Am interessantesten war noch die Tafel mit der Gegenüberstellung einiger Bahnhofsgebäude auf historischen und aktuellen Fotografien. Allerdings waren beim Bahnhof Mering die Bildunterschriften falsch.

Die Ausstellung hat mich enttäuscht. Sie ist – im Gegensatz zur Ausstellung zur Transsib – meiner Meinung nach den Eintrittspreis in das Verkehrszentrum nicht wert. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Januar 2016 zu besichtigen.

Das Jubiläum wird mit weiteren Veranstaltungen gefeiert. Es gibt auch ein Buch zum Jubiläum für 12 EUR. Wer sich für das Jubiläum wirklich interessiert, sollte sich die anderen Veranstaltungen ansehen. Hier gibt es entlang der Bahnstrecke wirklich interessante Ausstellungen.

Ausstellungen im Stadtmuseum

Im Stadtmuseum habe ich heute drei Ausstellungen besucht, die mich interessiert haben. Der Eintritt kostet 7 EUR und gilt für das gesamte Haus.

Die erste Ausstellung war „Luxus der Einfachheit„. Darin geht es um alternative Lebenskonzepte jenseits der Norm. Darin werden Fotografien über Menschen gezeigt, die nicht den „normalen“ Lebensstil gewählt haben. Das Spektrum reicht von Aussteigern, die in Bussen durch Europa ziehen bis hin zu Nonnen eines Schweigeordens oder Mitglieder einer orthodoxen jüdischen Kommune. Alles in allem eine ganz interessante Ausstellung, bei der mir aber zu wenig ausdrucksstarke Fotografien gezeigt wurden.

Englischer Garten
Rumford Denkmal im Englischen Garten

Die zweite Ausstellung handelte über den Grafen Rumford und war das Highlight des Tages. Der aus der damaligen englischen Kolonie Massachusetts stammende Rumford war ein Universalgelehrter, der sich nicht nur Gedanken darüber machte, wie man die Verhältnisse verbessern könnte, sondern auch tatsächlich etwas dafür tat.

In München ist er natürlich bekannt als der Initiator des Englischen Gartens. Der Garten war als Erholungsort für sämtliche Bewohner gedacht und in ein Unterhaltungs- und Lernkonzept eingebunden. Rumford engagierte sich auf vielen Gebieten. Er bildete Arme und Mittellose aus, damit diese ihr eigenes Geld verdienen konnten und entwickelte eine einfache, aber nahrhafte und gut schmeckende Rumford-Suppe, die auf der ganzen Welt dazu diente, mit wenig Geld Menschen zu ernähren. Auch auf wissenschaftlichem Gebiet war der Graf tätig und befasste sich mit Thermodynamik, Chemie und Medizin. Diese Ausstellung ist äußerst lehrreich und sehenswert. Die Exponate werden ansprechend präsentiert.

Die dritte Ausstellung „Ab nach München!“ handelt davon, wie München für Künstlerinnen um 1900 eine Anlaufstelle wurde. Frauen war der Besuch von Kunstakademien bis etwa 1920 verboten. Daher bildeten sich in München eigene Institute – sog. „Damen-Akademien“, in denen sich Frauen mit Malerei, Fotografie und Keramik befassen konnten und weiterbildeten. In der Ausstellung finden sich einige sehr schöne Werke von bekannten Künstlerinnen. Nicht auszudenken, dass man zur damaligen Zeit dachte, Frauen könnten keine Kunstschaffende sein und statt dessen in ihnen eine Art Haushaltsgegenstand sah.

Zu diesen Ausstellungen ist jeweils ein eigener Ausstellungskatalog erhältlich.