Neue Bücher zur Schlacht im Hürtgenwald

Auf meiner Homepage habe ich einige neue Bücher zur Schlacht im Hürtgenwald 1944/45 vorgestellt. Es handelt sich um

  • Hölle im Hürtgenwald – Die Kämpfe vom Hohen Venn bis zur Rur September 1944 bis Februar 1945 von Wolfgang Trees (Ein Standardwerk zum Thema.)
  • Hürtgenwald 1944/1945 – Militärgeschichtlicher Tourenplaner von Rainer Monnartz (Zum Planen von Touren zu den historischen Orten. Mit GPS-Daten zum genauen Auffinden.)
  • Das verstummte Hurra – Hürtgenwald 1944/45 von Kurt Kaeres (Ein Roman, der die Geschichter einer deutschen und einer amerikanischen Einheit im Hürtgenwald erzählt. Dieser Roman ist zwar Fiktion, beschreibt aber die damaligen Vorfälle realistisch und eindringlich.)
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    Schlacht im Hürtgenwald

    Ausgangslage

    Nach der Landung in der Normandie am D-Day rückten die Aliierten immer weiter vor. Im Herbst 1944 waren diese bereits so weit vorgerückt, dass sie im Raum Aachen vor dem Westwall standen. Geplant war der Durchbruch zum Rhein.

    Dort bedrohten diese jedoch den Aufmarschraum für die geplante deutsche Ardennenoffensive. Die Alliierten wollten zwischen Aachen und Monschau in einem Waldgebiet (dem Hürtgenwald) durchbrechen und den deutschen Verbänden damit in die Flanken fallen. Außerdem rechneten sie im Falle eines Umgehens mit Flankenangriffen der Wehrmacht.

    Es wurde daher beschlossen einen Angriff auf diese unwegsame Bergregion zu unternehmen, obwohl das Gelände die Verteidiger begünstigte und der Nachschub für die Aliierten durch die überdehnten Nachschublinien nicht mehr sichergestellt war.

     

    Beginn

    Am Vormittag des 06.10.44 begann der Vormarsch der 9. US-Infanterie-Division gegen die deutsche 275. Infanteriedivision. Die Artillerie und die Airforce konnten in diesem Waldgebiet jedoch kaum Ziele ausmachen. Es gab nur wenige Wege und diese waren meistens für schwere Fahrzeuge wie Panzer oder Lastwagen ungeeignet. Die Wehrmacht kannte natürlich das Gelände genau und hatte vorbereitete Stellungen für Artillerie und Mörser, sowie angelegte MG-Nester. Es wurden sogar verfallene Stellungen des in den 1930er Jahren erbauten Westwalls wieder besetzt. Dadurch konnten die Aliierten ihre materielle Überlegenheit nicht ausspielen.

    Ein amerikanisches Halbkettenfahrzeug bahnt sich den Weg durch die schlammigen Straßen des Hürtgenwalds

    Es gelang nicht, eine durchgehende Front aufzubauen. Deutsche Scharfschützen saßen auf Bäumen versteckt und Artilleriegranaten rissen Bäume in Fetzen, wobei eine Menge Splitter entstanden. Die deutsche Artillerie setzte ihre Geschosse so ein, dass diese bereits in der Luft explodierten und so eine Menge Metallsplitter entstanden. (Noch heute weigern sich Sägewerke Bäume aus dem Hürtgenwald anzunehmen. Es steckt einfach zu viel Metall darin.)

    Der Angriff der Amerikaner blieb bald stecken. Nach zehn Tagen waren beide Seiten so geschwächt, dass die Kampfhandlungen abflauten. Die Amerikaner konnten nur 2,7 km Geländegewinn erzielen, wobei 4.500 Mann umkamen. Auf deutscher Seite betrugen die Verluste 3.200 Mann.

     

    Die Allerseelenschlacht (Vossenack)

    Am 26.10.44 wurde die 9. US-Division durch die 28. Division ersetzt. Es handelte sich dabei um weitgehend unerfahrene Ersatztruppen. Es sollte jedoch keine Zeit verloren werden, da ein Angriff auf das Dorf Schmidt geplant war. Hier kreuzten sich viele Wege und es war aufgrund seiner Höhenlage (sog. Stolbergkorridor) strategisch wichtig. Am 31.10.44 sollte angegriffen werden. Aufgrund schlechten Wetters wurde er aber auf den 02.11.44 verschoben. Zusätzliche Pionier-, Panzer- und Artillerieeinheiten sollten der 28. Divison beim Durchbruch helfen.

    Die Wehrmacht hatte unterdessen ihre Positionen im Waldgebiet mit Minenfeldern und Feldbefestigungen verstärkt. Man nahm im Oberkommando an, der amerikanische Angriff würde auf die Rurtalsperren zielen. Hätten diese die Talsperren besetzt, wäre eine Überflutung des Rurtales durch die Deutschen nicht mehr möglich gewesen. Der Vorstoß hätte so nicht verhindert werden können und die Ardennenoffensive wäre gefährdet worden. Die deutsche Führung maß daher der Verteidigung der Talsperren und des Hürtgenwaldes eine hohe Bedeutung bei.

    Die Amerikaner hatten diese Bedeutung der Talsperren jedoch noch nicht erkannt und wählten die Route durch den Hürtgenwald wohl eher deshalb, damit weiter nördlich kämpfende Truppen nicht durch deutsche Reserven aus dem Wald behindert wurden. Das Hauptziel war daher das Binden der gegnerischen Kräfte.

    Auf deutscher Seite kämpften die 275. Infanteriedivision, die 89. Infanteriedivision und die 12. Volksgernadierdivision. Als Reserve stand die 116. Panzerdivision bereit. Diese Verbände waren jedoch stark ausgeblutet und weit unter Sollstärke.

    Der amerikanische Angriff begann wie geplant und bereits am 03.11.44 wurden Vossenack, Schmidt und Kommerscheidt eingenommen. Starkes deutsches Mörser- und Infanteriefeuer fügte den vorrückenden Truppen aber schwere Verluste zu. Der Weg durch die Kallschlucht war die einzige Nachschubroute von Vossenack nach Schmidt und hatte daher strategische Bedeutung. Die schlechten, schmalen und stark gewundenen Waldwege behinderten die Angriffsspitzen. Es war nicht möglich Panzer einzusetzen. Die Verteidiger hatten jedoch dieselben Probleme. Reserven und Nachschub konnte nur schwer herangeführt werden.

    Durch den Fall von Schmidt sah die Wehrmacht jedoch die Talsperren bedroht und bot ausreichende Kräfte für einen Gegenangriff auf. Die 89. Infanteriedivision führte am 5.11.44 einen energischen Gegenangriff mit Artillerie- und Panzerunterstützung durch die 116. Panzerdivision gegen Schmidt, der nach heftigen Gefechten die Amerikaner zum Rückzug zwang. In den folgenden Tagen wurden die Amerikaner unter schwersten Verlusten nach und nach in ihre Ausgangsstellungen zurückgedrängt. Am 08.11.44 konnten die Deutschen Vossenack unter eigenen hohen Verlusten teilweise wieder besetzen.

     

    Weitere Entwicklung

    Am 16.11.44 starteten die 1. und 9. US-Armee eine Großoffensive im Hürtgenwald (Operation Queen). Damit sollte die 4. US-Division durch die nördliche Hälfte des Hürtgenwalds brechen und die Rur erreichen. Sie hatten als Gegner immer noch drei deutsche Divisionen (allerdings deutlich unter Sollstärke). Die auf 6500 Mann aufgestockte 275. Infanteriedivision stand immer noch im Waldgebiet. Zwei US-Regimenter erlitten schwere Verluste und wurden durch Artillerie- und MG-Feuer zurückgetrieben. Jetzt begannen die Aliierten damit, Panzerstraßen durch den Wald zu sprengen. Nachschubprobleme sorgten jedoch dafür, dass der Angriff ab 19.11.44 für zwei Tage eingestellt wurde. Die Deutschen erhielten jetzt Verstärkungen von der 344. und 353. Infanteriedvision.

    Am 21.11.44 griff die 8. US-Division im Raum des Wehebachs an und rückte langsam bis Hürtgen vor. Der Vormarsch ging nur langsam voran. und Hürtgen fiel am 29.11.44 in aliierte Hände. Bis zum 12.12.44 konnten die Orte Gey und Straß erobert werden. Die deutschen Verbände hielten die Amerikaner jedoch von den Talsperren fern und die Ardennenoffensive konnte am 16.12.44 beginnen. Damit endeten die Kämpfe im Hürtgenwald vorerst.

    Kreuzigungsgruppe in Vossenack in Erinnerung an die Opfer der Kampfhandlungen
    Urheber: Markus Schweiss (Bild unter Creative Commons Lizenz.)

     

    Das Ende der Kämpfe

    Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive am 10.01.45 wurden die Kämpfe wieder aufgenommen. Die deutschen Reserven waren jedoch verbraucht und die US-Truppen kamen etwas schneller voran. Am 08.02.45 fiel Schmidt und die Kämpfe im Hürtgenwald waren endlich zu Ende.

    Die Amerikaner brauchten fünf Monate um den Hürtgenwald zu durchqueren. Die Talsperren blieben in deutscher Hand und wurden von diesen auch geöffnet. Durch die Überflutungen verzögerte sich der amerikanische Vorstoß auf den Rhein um ca. zwei Wochen.

     

    Fazit

    Die Kämpfe um den Hürtgenwald zählen zu den erbittertsten Kämpfen des Zweiten Weltkriegs. Im Amerikanischen wurde der Hürtgenwald als Hurtgenwald (to hurt = verletzen) bekannt und bezeichnet treffend die alptraumhafte Wüste in die die Kämpfe den Wald verwandelt hatten. Es handelte sich um eine der verlustreichsten Schlachten in Westeuropa im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg war das gesamte Gebiet immer noch stark vermint. Man entdeckt noch heute Spuren der Kampfhandlungen (Panzersperren, ungesprengte Bunker, Kampfmittel, Sprengmittel). Auch heute noch werden jährlich ca. sieben gefallene Soldaten aus dem Boden des Hürtgenwaldes geborgen.

    Auf dem Kriegsgräberfriedhof „Hürtgenwald“ steht das einzige Denkmal für einen deutschen Soldaten, das von den ehemaligen Gegnern errichtet wurde. Im Eingangsbereich befindet sich ein Gedenkstein für den deutschen Leutnant Friedrich Lengfeld, der am 12.11.44 beim Versuch, einen verletzten amerikanischen Soldaten aus einem Minenfeld zu retten, schwer verletzt wurde und noch am gleichen Tag am Verbandplatz verstarb. Die Gedenktafel wurde von der Veteranenvereinigung der 4. US-Infanteriedivision aufgestellt.

    Am 27.11.2007 stellte Achim Konejung seinen Dokumentarfilm über die Schlacht im Hürtgenwald vor, in dem er bisher unveröffentlichtes Rohmaterial aus den USA einbaute. In diesem werden durch Zeitzeugen die damaligen Ereignisse sehr eindrucksvoll geschildert. Diesen Film kann ich nur empfehlen.

    Der Film ist (anders als dieses Video) selbstverständlich mit einer deutschen und einer englischen Tonspur ausgestattet.


    Seit kurzem ist auch eine zweite DVD erhältlich. „You Enter Germany 2“ enthält weiteres Archivmaterial. Als Extra gibt es ein Begleitbuch mit Wanderführer.

     

    Bestellmöglichkeit

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    Zum Planen von Touren zu den historischen Orten. Mit GPS-Daten zum genauen Auffinden.

    Das verstummte Hurra – Hürtgenwald 1944/45 von Kurt Kaeres

    Ein Roman, der die Geschichte einer deutschen und einer amerikanischen Einheit im Hürtgenwald erzählt. Dieser Roman ist zwar Fiktion, beschreibt aber die damaligen Vorfälle realistisch und eindringlich.

    Das Bild des amerikanischen Halbkettenfahrzeugs ist Public Domain.Das Bild der Kreuzigungsgruppe steht unter der GNU Free Documentation License.