Lesestoff der Science Busters

Ich habe gerade zwei Bücher fertiggelesen. Das Buch „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ von den Science Busters, sowie „Die Genussformel“ von Werner Gruber.


Wer nichts weiß, muss alles glauben, ist ähnlich wie die Shows der Science Busters aufgebaut. Hier werden auf unterhaltsame Weise viele Themen quer durch die Physik angesprochen. Es werden physikalische Zusammenhänge erläutert und dadurch über esoterische Themen wie Lichtfasten, Granderwasser oder Himalajasalz aufgeklärt. Zuerst hat mich etwas gestört, dass die Themen nur oberflächlich angesprochen werden und dabei jede tiefergehende Betrachtung vermieden wird. Das bessert sich jedoch etwas im weiteren Verlauf des Buchs und dann wird es wirklich spannend. Trotzdem bleibt alles unterhaltsam und locker. Die Science Busters wollen, dass man sich darüber informiert, ob aufgestellte Behauptungen überhaupt funktionieren und man nicht einfach alles glaubt.


Die Genussformel von Werner Gruber, der ja ein Mitglied der Science Busters ist, ist ein Kochbuch. Es ist jedoch ein Kochbuch der ganz anderen Art. Hier gibt es keine Fotos auf Hochglanzpapier und keine Rezepte, die man sowieso nie nachkocht. Statt dessen wird an das Kochen auf physikalische Weise herangegangen. Hier schreckt Werner Gruber auch vor Formeln nicht zurück. Das Buch ist jedoch nicht nur trockene Theorie, sondern gibt tatsächlich Hilfestellungen und Rezepte. Fragen, die man sich als Hobbykoch oft gestellt hat, werden nicht nur beantwortet, sondern es wird auch erläutert, warum das so ist. Das Steak erst ganz zum Schluss pfeffern, da sonst die Aromen des Pfeffers durch die Hitze zerstört werden und nur ein scharfer Geschmack übrig bleibt. Fleisch muss heiß angebraten werden, damit sich die Poren schließen? Fleisch hat jedoch keine Poren, die sich schließen würden und noch vieles mehr. Man erfährt die genauen Temperaturen, bei denen sich die Eiweiße im Fleisch verändern oder sich Röstaromen bilden. Als Ergebnis bekommt man Rezepte für Wiener Schnitzel, Schweinebraten oder andere Köstlichkeiten. Es wird genau erklärt, was zu beachten ist und was man falsch machen kann. Vor allem auch, warum es so wichtig ist, sich an die Vorgaben zu halten.

Hoaxilla-Podcast über Zahlensender

Gestern erschien wieder mal ein Highlight-Podcast von Hoaxilla. Leider ist er nur etwas über eine halbe Stunde lang. Das ist aber wohl dem Stress der Umzugsvorbereitungen von Münster nach Hamburg geschuldet und daher verständlich.

Es geht diesmal um die sogenannten Zahlensender. Das sind ominöse Radiosender, die kurze Melodien spielen und vor allem von Frauen und evtl. sogar von Kindern gesprochene Zahlenkolonnen übertragen.

Anfang der Achtzigerjahre habe ich selbst einmal einen solchen Radiosender empfangen. An einem Freitagabend suchte ich irgendeinen Radiosender mit Musik und landete plötzlich auf Kurzwelle bei einem Sender, bei dem eine Frau nur Zahlen vorlas. Sie sprach Hochdeutsch, las Zahlen vor und verwendete für die Zahl Fünf den Begriff „Fünnef“ und statt acht „Oucht“. Ich erinnere mich noch genau daran. Es war ja immerhin die Hochzeit des kalten Krieges. Da kann man schon mal eine Gänsehaut bekommen. Vor allem als Kind. Als ich das Thema des aktuellen Podcasts erfahren habe, war ich daher sehr gespannt.

Der Hoaxilla Podcast beleuchtet dieses Thema umfassend. Ein paar Sachen hätte ich mir noch gewünscht. Warum denn z. B. meistens Frauen oder Kinder sprechen. Hat das was damit zu tun, dass diese hohen Stimmen auch bei einem schlechten Signal mit Störgeräuschen verständlicher sind? Auch wenn niemand genau sagen kann, warum es diese Sender gibt, erscheint mir die Hypothese, dass es sich um verschlüsselte Nachrichten für Geheimdienstangehörige handelt, als am wahrscheinlichsten. Das kann aber natürlich auch nur daher kommen, weil es geheimnisvoll klingt. Übertragung von Wetterdaten klingt ja nicht so spannend.

Ich kann diesen Podcast unbedingt empfehlen. Auch sollte man auf jeden Fall einen Blick ins Hoaxilla-Forum werfen. Dort sind Links zu mehr Informationen vorhanden. Unter anderem auch ein Feature des DLF.

Die Science Busters

Zum Jahresausklang nochmal etwas Interessantes, bei dem man aber auch noch etwas lernen kann. Die Science Busters vereinen Topwissenschaft mit Unterhaltung. Die Science Busters – das sind Prof. Heinz Oberhummer (theoretische Physik, TU – Wien) und Univ. Lekt. Werner Gruber (experimentelle Physik, Uni – Wien), sowie Martin Puntigam der auf humorvolle Weise durch das Programm führt.

Derzeit haben Sie eine regelmäßige Sendung auf ORF 1 in der Donnerstag Nacht mit dem Titel „Science Busters – Wer nichts weiß, muss alles glauben“. Wer ORF 1 nicht empfängt kann auf die TVthek ausweichen. Hier sind die jeweiligen Folgen abrufbar. Allerdings sind sie ziemlich wüst auf 44 Minuten zusammengeschnitten. Man bekommt also nur einen Teil der Sendung zu sehen. Für einen ersten Eindruck reicht es allerdings. Prof. Oberhummer spielt in der ersten Folge am 29.12.2011 Satisfaction von den Stones auf der Gitarre. Es werden Raketenstarts durchgeführt und ein Arm wird mit flüssigem Stickstoff eingefroren.

Von den Science Busters gibt es auch ein entsprechendes Buch. Ich hoffe, dass die drei Österreicher bald mal hier in der Nähe sind, damit ich sie live erleben kann.

Empfehlenswerte Podcasts

Heute möchte ich mal loswerden, welche Podcasts ich so höre. Ich habe lange Zeit immer mal wieder Podcasts ausprobiert. Leider war das aber nie etwas für mich. Meistens war es einfach so, dass jemand 1 1/2 Stunden irgendwas erzählt hat. Da waren zwar schon interessante Stellen dabei, meistens aber nach endlosem langweiligem Zeug. Ich bin nie dabeigeblieben.

Das hat sich aber mit den folgenden Podcasts geändert. Selten habe ich so viel Wissen auf unterhaltsame Weise vermittelt bekommen. Es geht um skeptisches Denken. Das bedeutet, dass esoterische Themen, Verschwörungstheorien oder Parawissenschaften kritisch hinterfragt werden. Es geht nicht darum, dass derartige Sachen abgelehnt werden (wie von Kritikern immer wieder unterstellt), sondern dass Thesen und Behauptungen auf wissenschaftliche und kritische Weise geprüft werden. Wer sich näher dafür interessiert, sollte mal auf den Seiten oder dem Blog der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) vorbeischauen.

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Umberto Eco – Der Friedhof in Prag

Der neueste Roman von Umberto Eco handelt von dem Italiener Simone Simonini. Dieser lebt 1897 in Paris und ist eine sehr unsympathische Figur. Er empfindet gegenüber allen Nationen und Religionen Vorurteile und Hass. Er mag keine Franzosen, Italiener, Deutsche, Engländer oder Russen. Keine Jesuiten, Juden und Freimaurer. Alle sind sie an irgendwelchen Komplotten und Verschwörungen beteiligt. Da ist es dann nur ein kurzer Weg zu den unsäglichen Protokollen der Weisen von Zion und der jüdischen Weltverschwörung, an die der Antisemit Simonini glaubt.

Das Erschreckende ist, dass die meisten erwähnten Personen tatsächlich gelebt haben und nicht erfunden sind. Lediglich die Hauptfigur des Romans, Simonini entstammt Ecos Phantasie. Die Geschichte wird immer wieder in Rückblicken erzählt. Beteiligt sind Geheimdienste, Militärs und Revolutionäre.

Ich habe etwas gebraucht, um in den Roman hineinzufinden. Hier handelt es sich um echte Literatur und nicht um das Buch eines flachen 08/15-Vielschreibers. Wenn man sich aber nicht abschrecken lässt, dann ist man innerhalb kürzester Zeit von der Handlung gefangen. Man darf nur nach den ersten Seiten nicht gleich aufgeben.

Das Buch vermischt wahre geschichtliche Ereignisse mit einer anspruchsvollen Handlung. Das Ergebnis ist ein unheimlich spannendes Buch, mit dem darüber hinaus auch noch echtes historisches Wissen vermittelt wird.

Umso schlimmer ist, dass die angesprochenen Vorurteile tatsächlich existierten und auch heute teilweise wieder zitiert werden. Die Protokolle der Weisen von Zion konnte man tatsächlich noch bis zum Jahr 2004 bei einer großen Supermartkette in den USA kaufen. Auch aktuell wird dieses üble Machwerk immer wieder erwähnt und dient auch in gewissen Esoterik-Kreisen immer wieder dazu, irgendwelche Verschwörungen zu belegen und spezielles Gedankengut zu rechtfertigen. Die Tatsache, dass schon längst bewiesen ist, dass es sich dabei um eine absolute Fälschung handelt, interessiert diese Leute nicht.

Es ist daher sehr wichtig, dass dieses Thema von Umberto Eco aufgegriffen und literarisch verarbeitet wurde.  Ein Buch, dass ich nur sehr empfehlen kann.